Jacopo de Barbaris Blick auf Venedig in einem Video des Correr Museums – Ein venezianisches Meisterwerk aus der Renaissance

Venetie MD (d.h. Venedig 1500), besser bekannt als “Veduta di Venezia” oder Jacopo de Barbaris Blick auf Venedig, ist eine große perspektivische Karte der Lagunenstadt, die von Jacopo de Barbari zwischen 1498 und 1500 als Vogelperspektive erstellt, in Holzschnitt gestochen und von Anton Kolb im Jahr 1500 veröffentlicht wurde.

Die Besonderheit ist, dass es sich um eine perspektivische Rekonstruktion einer damals unmöglichen Aussicht auf die Umgebung handelte, da für die der Betrachter in einer Höhe von etwa 500 Metern hätte sein müssen.

Das Holzschnitt

Die Größe (134,5 x 282 cm) und vor allem die Präzision des Werks, das die architektonische Situation der Gebäude der Stadt genau wiedergibt, ermöglicht eine historische Rekonstruktion zu Beginn des 15. Jahrhunderts, einschließlich der Gebäude, die später entfernt und zerstört oder in späteren Epochen und bereits bei der in den 1630er Jahren begonnenen Renovatio verändert wurden.

Jacopo de Barbaris Blick auf Venedig ist deswegen nicht nur eine Karte, sondern ein Meisterwerk. Es ist eine Ansicht der Stadt Venedig auf dem Höhepunkt ihrer Macht, eine Karte, die nicht nur Venedig und seine Calli, nicht nur die Paläste und Kirchen, sondern praktisch alles beschreibt, von den Werften bis zu den Gärten, von den Brücken bis zu den Fundamenten, bis hin zu den Schiffen, die im Markusbecken fahren.

Für die Verwirklichung dieses Meisterwerks war eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Vermessungskampagne unabdingbar, wenn man bedenkt, dass der Aussichtspunkt etwa 500 Meter über dem Meeresspiegel liegt und somit Jacopo de Barbari alle Maße dieser besonderen Perspektive hat anpassen müssen.

Der Autor hat sich die Stadt also mental vorgestellt, da er physisch nicht in eine solche Höhe hätte gelangen können, und sich auf eine Perspektive von weniger als 100 Metern beschränkt, nämlich die des Glockenturms von St. Markus.

Eine solche Leistung war nur möglich durch die Anwendung der Prinzipien der Trigonometrie und unter erfinderischer Verwendung der damals bekannten Instrumente: Astrolabium, topografischer Kompass, Limbus.

Jacopo de Barbaris Blick auf Venedig- die Geschichte

Am 30. Oktober 1500 erteilte die Signoria von Venedig Anton Kolb ein Privileg für diesen Druck für vier Jahre. In seiner Petition gab Kolb, ein Kaufmann aus Nürnberg und Freund Dürers, an, dass die Vorarbeiten drei Jahre gedauert hatten. Der Name des Künstlers wird in den Dokumenten nicht genannt, und der Druck ist auch nicht signiert, aber er stammt mit Sicherheit von Jacopo de Barbari; die Figur des Merkur oben trägt Jacopos persönliches Zeichen, den Caduceus.

Am 30. Oktober 1500 beschlossen und bewilligten die unterzeichnenden Ratsherren dem oben genannten Bittsteller, dass es vier Jahre lang niemandem erlaubt sein soll, ein solches Werk herzustellen oder aus einem solchen Werk irgendeinen Ort zu entnehmen, der von der üblichen Abgabe befreit ist, und übergaben ihm ein Briefpatent in erweiterter Form.


Die Ratsmitglieder Alvise Muazzo, Giovanni Morosini, Pietro Contarini, Antonio Tron

Von der Zeit davor ist leider sehr wenig bekannt. Im Nachhinein kann man davon ausgehen, dass de Barbari bereits 1497 von dem in Venedig sehr aktiven Nürnberger Kaufmann Anton Kolb mit der ehrgeizigen Erstellung einer perspektivischen Karte der Stadt beauftragt worden war.

De Barbari und Kolb standen schon damals in enger Beziehung zueinander und hielten diese auch danach noch lange aufrecht. 1504 wurden sie sogar am Hof von Kaiser Maximilian erwähnt, wo der Künstler ausgerechnet von dem Nürnberger Künstler vorgestellt wurde.

Der Mangel an Informationen über den Autor war typisch für die damalige Zeit und führte dazu, dass das Werk dem größten Kupferstecher der Zeit, Albrecht Dürer, zugeschrieben wurde, der sich zweimal in Venedig aufhielt, allerdings nicht in der Zeit, in der das Werk ausgeführt wurde.

Diese Zuschreibung ist seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts belegt und setzte sich während des größten Teils des 19. Jahrhunderts fort.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts führten Studien, die darauf abzielten, die Persönlichkeit des Meisters des Caduceus zu rekonstruieren, zu seiner einhelligen Identifizierung mit Jacopo de Barbari und damit zu seiner Zuschreibung. Der erste, der den Namen de Barbari vorschlug, war Ernst Harzen im Jahr 1855.

Eine solche kartografische Meisterleistung wurde in Venedig nie wiederholt, und die zahlreichen anderen Ansichten zwischen dem 16. und dem frühen 18. Jahrhundert waren blasse Nachahmungen des Originals mit einigen Aktualisierungen und gegenseitigen Nachahmungen.

Der Verbleib von Jacopo De Barbaris Blick auf Venedig

Die Karte ist in sechs Holzblöcke eingraviert, weil die Oberfläche es unmöglich machte, eine einzige Matrize zu verwenden, und nicht nur, weil es keine so große Presse gab, sondern vor allem, weil ein Block dieser Größe leicht hätte zerbrechen können.

Die Originalholzblöcke befinden sich im Correr-Museum in Venedig und können dort bewundert werden. Das Museo Correr befindet sich auf dem Markusplatz in Venedig und ist eines der elf städtischen Museen, die von der Fondazione Musei Civici di Venezia betrieben werden. Das Museum erstreckt sich auf der Südseite des Platzes in den oberen Stockwerken der Procuratorie Nuove.

Um die Schiffe herum werden die Gewässer der Stadt besonders durch kräftig rudernde Boote belebt, und auch unten rechts wird eine Szene der Regata Storica präsentiert. Dies ist eine Darstellung in fast schon legendärer Funktion, um die kleineren Kanäle besser erkennen zu können.

Mehr zu dieser venezianischen Tradition findest Du hier:

Jacopo de Barbaris Blick auf Venedig mit Regata Storica in Venedig auf dem Canal Grande
Jacopo De Barbaris Blick auf Venedig

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