Kategorie: Abenteuer

  • Wie Du das Beste aus Sardinien im Herbst machst

    Sardinien ist bei Reisenden wegen seines kristallklaren Wassers, seiner einzigartigen Strände und seiner rauen Landschaft ein beliebtes Sommerreiseziel. Viele Touristen, aber auch sehr viel Italiener, reisen im Sommer nach Sardinien, um die herrlichen Strände zu genießen. Warum also solltest Du nach Sardinien im Herbst reisen?

    Sardinien im Herbst ist die beste Gelegenheit, die Insel von einer einzigartigen Seite kennenzulernen, denn einerseits bietet sie zu jeder Jahreszeit zahlreiche Möglichkeiten und wird Dich mit ihren unterschiedlichen Stimmungen, ihren archäologischen Stätten, ihrem Essen und ihren Weinen und vor allem mit ihren Menschen überraschen. Andererseits wirst Du nicht mit den über 15 Millionen Touristen konfrontiert, die im Sommer Sardinien aufsuchen.

    Bist Du neugierig, wie Du das Beste aus Sardinien im Herbst im Allgemeinen machen kannst? Dann lies weiter.

    Zwei heimische Eseln in einer sardischen Sommerlandschaft, Sardinien im Herbst.

    Warum Sardinien im Herbst?

    Sardinien im Herbst ist nicht so überfüllt

    Wie Du sicher schon weißt, ist Sardinien ein unglaublich beliebtes Sommerurlaubsziel. Die größten Touristenströme kommen im Juli und August, und im September, wenn die Kinder wieder zur Schule gehen, die Büros wieder öffnen und alles wieder seinen gewohnten Gang geht, nimmt die Zahl der Besucher verständlicherweie ab.

    Von Anfang Juni bis Ende September besuchen zwischen 15 und 20 Millionen Menschen Sardinien. Im Corona-Jahr 2020 waren es “nur” 11 Millionen.

    Wenn Du im Herbst nach Sardinien kommst, wirst Du feststellen, dass die großen Touristenmassen verschwunden sind. Die Chancen stehen gut, dass Du den Strand für Dich allein hast – na ja, vielleicht nicht am Wochenende. Selbst an den berühmtesten archäologischen Stätten wirst Du einer von wenigen sein. Einen Tisch in einem guten Restaurant zu finden, wird viel einfacher sein.

    Sardinien im Herbst ist sehr Günstig!

    Ist Sardinien teuer? Diese Frage wird mir oft gestellt und ich kann es nicht leugnen: Wenn Du die Insel in den Sommermonaten besuchst, wird Dein Aufenthalt leider nicht günstig. 15 Millionen Touristen wollen schließlich genau das Gleiche wie Du: Unterkünfte, Mietwägen, Unterhaltung und Aktivitäten. Wenn jedoch die Menschenmassen weg sind, werden die Preise niedriger – der Charme der Insel bleibt. Ein Grund mehr, Sardinien im Herbst zu besuchen!

    Sonnenuntergang auf Valle della Luna/Cala Grande, Capo Testa, Sardinien im Herbst.
    Sonnenuntergang auf Valle della Luna/Cala Grande, Capo Testa, Sardinien.

    Das Wetter ist sehr angenehm

    Auf Sardinien endet der Sommer meistens nicht am 21. September, sondern kann bis Mitte Oktober andauern. Ich hatte bereits Anfang November tagsüber dauerhaft über 20°C und war auch mutig genug, ein paar Mal ins Wasser zu springen. Die Strände und touristischen Ziele können weiterhin genoßen werden, und zwar ohne den typischen Sommerstress. Außerdem ist das Wetter weniger heiß und schwül als im Sommer. So ist es noch angenehmer, auf der Insel zu wandern und im Allgemeinen Sport zu treiben.

    Später, im November, regnet es häufiger – jedoch immer noch viel weniger und viel seltener als zum Beispiel in München – , und die Temperaturen sinken auf 15°-20° C.

    Ein romantischer Sonnenuntergang an der Costa Smeralda auf Sardinien, Italien.
    Ein romantischer Sonnenuntergang an der Costa Smeralda auf Sardinien im Herbst.

    Genieße die Farben der Landschaft

    Sardinien im Herbst ist absolut unglaublich. Der Herbst ist hier eine magische Jahreszeit, denn er gibt Dir die Möglichkeit, die Veränderung der Natur zu beobachten. Zu Beginn der Saison zeigt die Insel die gleichen gelben Felder und grünen Bäume wie im Sommer. Aber innerhalb weniger Wochen werden die Felder grün und die Bäume färben sich gelb, braun und rot, sobald die Tage kürzer werden und (überhaupt) wieder regnet.

    Wenn Du Dich für die Laubfärbung interessierst, gibt es auf Sardinien viele Orte, die Du vor allem im Oktober besuchen kannst, um sie zu genießen. Besonders empfehlenswert sind der Wald von Badde Salighes in der Provinz Nuoro, wo sich die Villa Piercy befindet, oder Laconi, wo Du den wunderschönen Parco Aymerich besuchen kannst.

    Laconi ist übrigens ein Halt des berühmten Trenino Verde, Sardiniens grünen Zuges. Mehr dazu hier:

    Wenn es im Herbst regnet, hast Du außerdem die Chance, die vielen kleinen Wasserfälle auf der Insel von ihrer besten Seite zu sehen, denn im Sommer regnet es fast nie und die meisten Bäche sind ausgetrocknet.

    Ein Grund mehr, Sardinien im Herbst zu besuchen: Du hast die Möglichkeit, die Schönheit der Naturlandschaften auf eine Weise zu genießen, die nur diese Jahreszeit bieten kann.

    Jetzt, wo Du weißt, warum der Herbst definitiv eine gute Jahreszeit ist, um Sardinien zu besuchen, lass uns sehen, wie Du das Beste daraus machen kannst!

    Was Du auf Sardinien im Herbst machen kann

    Entdecke die Städte

    Natürlich sind die Städte das ganze Jahr über schön. Aber der Herbst bringt eine einzigartige Atmosphäre mit sich. Die Touristensaison ist vorbei, die Städte sind weniger überfüllt und ruhiger, und die Menschen kehren zu ihrem Alltag zurück.

    Wenn Du im Herbst nach Sardinien kommst, kannst Du ganz in Ruhe durch die Stadt spazieren. Du kannst Denkmäler und Museen genießen, ohne Dich mit den Menschenmassen auseinandersetzen zu müssen, oder nur ein Gelato essen und lange Spaziergänge machen, ohne wirklich irgendwo hinzugehen.

    Die kleinen Städte im Herzen der Insel sind zu dieser Jahreszeit besonders reizvoll, dank der oben erwähnten Feste, aber auch wegen ihrer traditionellen Gebäude. Viele von ihnen sind auch für ihre Wandmalereien (Graffiti) bekannt, die das Leben in der Stadt darstellen. Die beste Stadt, um traditionelle Wandmalereien auf Sardinien zu bewundern, ist Orgosolo.

    Auch die Städte am Meer sind im Herbst einen Besuch wert. Du wirst eine ganz andere Atmosphäre vorfinden als in den Sommermonaten. Du wirst keine festliche, laute Stimmung vorfinden, sondern eine gemütliche, ruhige Atmosphäre.

    Der Hafen von Porto Cervo auf Sardinien
    Der Hafen von Porto Cervo auf Sardinien im Herbst.

    Besuche die vielen archäologischen Stätten

    Viele archäologische Stätten sind das ganze Jahr über für Besucher geöffnet. Ein Besuch im Herbst ist eine gute Idee, wenn Du sie ohne die Hitze und die Menschenmassen der Sommermonate genießen willst.

    Sardinien hat eine sehr alte und interessante Geschichte und viele archäologische Stätten stammen aus der Zeit vor dem Römischen Reich. Wenn Du Dich für diese Art von Attraktionen interessierst, solltest Du Dir auf jeden Fall einige der vielen Nuraghen ansehen, die über die ganze Insel verstreut sind – es gibt mehr als 7.000 davon – oder die Domus de Janas und die Gräber der Riesen. Ich empfehle auf jeden Fall einen Besuch des Monte d’Accoddi, eines einzigartigen pränuragischen Altars in der Provinz Sassari.

    Natürlich gibt es auch viele archäologische Stätten, die von der punischen und römischen Zivilisation auf Sardinien zeugen. Dazu gehören die berühmten Tharros und Nora sowie mehrere römische Bäder, die Du auf der Insel finden kannst.

    Panoramablick auf die Lu Brandali-Ausgrabungsstätte; Wohn- und Arbeitsräume. Capo Testa, Santa Teresa di Gallura, Sardinien, Italien. Foto von Oliver Avellino, mit freundlicher Genehmigung von CoolTour Gallura.
    Foto von Oliver Avellino, mit freundlicher Genehmigung von CoolTour Gallura.

    Wandern gehen

    Der Herbst ist eine der besten Jahreszeiten, um auf Sardinien zu wandern: Die Temperaturen sind milder und es regnet in der Regel nicht so viel, sodass Du das Erlebnis in vollen Zügen genießen kannst. Du kannst lange Spaziergänge machen und frische Luft atmen, ohne zu schwitzen und unter der Hitze zu leiden. Es gibt so viele unglaubliche Wanderungen auf der Insel, dass es schwierig sein könnte, sich für eine zu entscheiden, die Du bevorzugen würdest. Du könntest Dich zum Beispiel für eine Wanderung in alten Minen, an wilden Küsten oder sogar entlang wunderbarer Schluchten entscheiden.

    Wandern auf Sardinien im Herbst.

    Kite-, Wind- oder normal Surfen

    Wenn Du gerne surfst, in welcher Form auch immer, ist der Herbst definitiv die beste Jahreszeit, um diesen Sport auf Sardinien auszuüben. Aufgrund ihrer Lage ist Sardinien eine windige Insel, und wenn der Mistral oder starke Winde wehen, können die Wellen dre bis vier Meter hoch werden.

    Es gibt ein paar tolle Spots, an denen Du surfen kannst. Der berühmteste ist Capo Mannu in Oristano, aber es gibt auch Strände im Norden und Süden der Insel, die sich perfekt dafür eignen.

    Surfing auf Sardinien im Herbst

    Relaxen am Strand

    Zwar kann das Wetter auf Sardinien im Herbst sehr wechselhaft sein, dennoch fühlt er sich am Anfang meist wie ein richtiger Sommer an, mit warmen und sonnigen Tagen, und das Wasser ist immer noch perfekt zum Schwimmen.

    Manchmal ist der Herbst aber auch schon richtig herbstlich – aber das heißt nicht, dass Du den Strand nicht genießen kannst! Du kannst lange Spaziergänge am Strand entlang machen und ihn in seiner ganzen Schönheit bewundern, ohne die vielen Touristen!

    Der Strand Rena di Levante, direkt gegenüber dem Rena di Ponente, auf dem Weg zu Capo Testa, Sardinien.

    Klettern gehen

    Sardinien ist ein Paradies für alle, die gerne klettern, und der Herbst ist sicherlich eine der besten Jahreszeiten, um dies zu tun. Auch hier ist die Sonne nicht zu stark und die Felsen überhitzen nicht, so dass Du sicher klettern kannst.

    Klettern auf Sardinien ist ein tolles Erlebnis, auch weil es viele verschiedene Arten von Felswänden gibt und jeder Teil der Insel eine atemberaubende Aussicht bietet, die die Kletterer genießen können.

    Klettern auf Sardinien im Herbst
    Klettern auf Sardinien im Herbst ist eine der besten AKtivitäten, die Du machen kannst.

    Genieße die Natur Sardiniens

    Wie ich bereits geschrieben habe, bietet Sardinien viel mehr als nur Strände.

    Die Natur war hier sehr freundlich und hat viele verschiedene Orte geschaffen, die einen Besuch wert sind. Die Insel ist zum Beispiel voller wunderschöner alter Höhlen, die Du besuchen kannst. Dazu gehören die Grotte di Nettuno – Neptuns Grotte – in Alghero, die sich in der Nähe des beeindruckenden Capocaccia befindet, von wo aus Du die gesamte Küste sehen kannst. Ich würde auch die Gegend im Norden Sardiniens empfehlen, wo Du unter anderem Capo Testa und den Maddalena Archipel besuchen kannst.

    Über die ganze Insel verstreut gibt es verschiedene Naturschutzgebiete, in denen man die sardische Flora und Fauna bewundern kann. In der Gegend von Alghero findest Du zum Beispiel das Naturreservat Porto Conte; im Süden der Insel kannst Du das Reservat Gutturu Mannu und das Naturreservat Molentargius besuchen, in dem rosa Flamingos leben.

    Kleiner grüner Zug Sardiniens: Trenino Verde von Macomer nach Bosa: Gebirge Gennargentu-Massiv
    Die höchten Berge Sardiniens sind im Gennargentu-Gebirge

    Was solltest Du auf Deiner Reise nach Sardinien im Herbst mitnehmen?

    Zieh Dich nach dem Zwiebelprinzip an

    Es ist immer eine gute Idee, im Herbst auf Sardinien Schichten mitzunehmen und zu tragen, da sich das Wetter von Ende September bis Anfang Dezember stark verändern kann. Behalte das im Hinterkopf, wenn Du Deine Reise nach Sardinien planst.

    Im Oktober ist tagsüber meist noch T-Shirt-Wetter, aber für den Abend brauchst Du ein paar wärmere Schichten. Nimm T-Shirts, Pullover und lange Hosen für den Abend mit. Wenn Du im November kommst, solltest Du wissen, dass die Temperaturen deutlich sinken, also ist eine warme Jacke eine gute Lösung, um zu vermeiden, dass Du frierst, vor allem abends.

    Kaufe Sonnenschutzmittel und einen Regenschirm

    Die Sonne ist auch im Oktober noch stark und heiß, und wenn Du keinen Sonnenschutz trägst, könntest Du einen Sonnenbrand bekommen. Andererseits kann Dich ein Regenschirm vor einem unerwarteten Schauer bewahren, wenn Du Dich entscheidest, nach der zweiten Oktoberhälfte zu kommen.

    Nimm bequeme Schuhe und Kleidung mit

    Besonders wenn Du vorhast, viel zu laufen, ist bequeme Kleidung ein Muss. Wenn Du vorhast, Städte und archäologische Stätten zu besichtigen oder Wanderungen zu unternehmen, musst Du die richtige Ausrüstung tragen. Turnschuhe und Wanderschuhe sind in diesen Fällen die beste Wahl.

    Eine Übersicht an Must Have-Klamotten und Accessoires für Wander- und Kletterabenteuer findest Du hier:

  • Lost Places in Rieti 2022: das Werk Supertessile und Montecatini

    Das verlassene Werk Supertessile, später CISA Viscosa, SNIA Viscosa, dann Nuova Rayon und in den letzten Jahren BembergCell, ist eine ehemalige Textilfabrik für die Herstellung von Viskoseviskose in Rieti.

    Die Eröffnung im Jahr 1928 markierte den endgültigen Übergang der Stadt Rieti zu einer industriellen Wirtschaftsausrichtung und machte sie zu einem der größten Produktionszentren in Latium bis in die 1960er Jahre. Die Produktion wurde 1979 unterbrochen und nach einer teilweisen Reaktivierung im Jahr 1986 wurde das Werk 2006 endgültig geschlossen.

    Die Geschichte des Werks Supertessile in Rieti

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Stadt Rieti noch von einer vorwiegend landwirtschaftlichen Wirtschaft geprägt. Der Prozess der Industrialisierung hatte zwar bereits 1873 mit der Gründung der Zuckerfabrik von Rieti begonnen, der ersten Zuckerfabrik Italiens, aber diese hing mit der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte zusammen und die Produktion war saisonal bedingt, so dass die Zuckerfabrik zwangsläufig nur während der Zuckerrübenernte aktiv war.

    Warum Rieti?

    in den 1920ern Jahren expandierte die Società Generale Italiana della Viscosa (ehemals Cines-Seta artificiale) nach Mittelitalien und errichtete 1923-24 in Rom ein Werk zur Herstellung von Viskose. Die herrschende Klasse in Rieti – allen voran der Bürgermeister Alberto Mario Marcucci und der Fürst Ludovico Spada Potenziani – verhandelten damals mit dem Präsidenten des Viskoseunternehmens, Baron Alberto Fassini, darüber, das neue Werk in Rieti und nicht in Viterbo oder Sulmona errichten zu lassen.

    Während der Verhandlungen, die zwischen Oktober und November 1924 stattfanden, wurden dem Unternehmen Steuererleichterungen und andere Erleichterungen angeboten, und am 14. Januar 1925 wurde der endgültige Vertrag unterzeichnet. Die Gesellschaft, die das Werk Supertessile bauen würde, war geboren.

    Einige Tanks des verlassenen Werks Supertessile - ein Lost Place in Rieti
    Einige Tanks des verlassenen Werks Supertessile – ein Lost Place in Rieti

    Planung und Bau der Anlage

    Für den Bau der Anlage wurde eine Fläche von etwa 30 Hektar festgelegt, die sich an dem Viale Maraini gegenüber der Zuckerfabrik und fast einen Kilometer von der Porta Cintia, dem Tor zum historischen Zentrum, befand. Am Ende der Allee, rund um die Kirche Madonna del Cuore, wurde auf einer Fläche von 20 Hektar eine Arbeitersiedlung mit 7.500 Wohneinheiten errichtet, das die Geburt des Stadtteils Madonna del Cuore darstellte.

    Zusätzlich wurden zur Verpflegung und Unterhaltung der Arbeiter Sozial- und Freizeiteinrichtungen wie Kantinen, Bäder, ein Theater, zwei Kapellen, eine Bibliothek, ein Fußballplatz und ein Club für Arbeiter errichtet. In der Nähe der Fabrik wurden um einen als Grünfläche angelegten Kreisverkehr, die heutige Piazza XXIII Settembre gehobene Behausungen gebaut, in denen die Verwaltungsmitarbeiter untergebracht werden sollte.

    Der Haspelraum auf einer Fotografie aus 1932

    Am 3. Juni 1926 wurde die Eisenbahnverbindung zwischen der Fabrik und dem Güterbahnhof von Rieti eingeweiht. Nach Fertigstellung der Arbeiten wurde die Fabrik am 3. Oktober 1928 in Anwesenheit des Bischofs von Rieti, Massimo Rinaldi, eingeweiht, und wenige Tage später wurde die Produktion aufgenommen.

    Die Ansiedlung einer Fabrik dieser Größenordnung hatte Auswirkungen auf die gesamte damalige Gesellschaft von Rieti: Die Fabrik zog Arbeiter aus dem gesamten Landkreis an, bestätigte auch auf wirtschaftlicher Ebene die Rolle der Provinzhauptstadt, die der Stadt kürzlich zugewiesen wurde, und begünstigte – vielleicht zum ersten Mal – die Einwanderung von Menschen von außerhalb der Region.

    Karte des alten Industriegebiets von Rieti in der Viale Emilio Maraini (Supertessile / SNIA Viscosa, Zuccherificio, Montecatini) – veröffentlicht von Alessandro Antonelli

    Mit der Eröffnung der Fabrik zog nämlich eine beträchtliche Anzahl von Facharbeitern aus Venetien nach Rieti, vor allem Frauen aus den Provinzen Rovigo und Padua, wo das Viskose-Unternehmen bereits eine Fabrik besaß. Diese Familien hatten es schwer, sich zu integrieren, da die für die damaligen Verhältnisse ungehemmten Sitten der Frauen aus dem modernen Norden von der lokalen Bevölkerung, die noch immer eine bigotte und konservative Mentalität hatte, nicht gern gesehen wurden.

    Auch Familien aus den umliegenden Regionen Abruzzen, Apulien und der Emilia Romagna wanderten nach Rieti ein, um im Werk Supertessile zu arbeiten, darunter die des späteren Senatspräsidenten Franco Marini, der hier eine Ausbildung zum Gewerkschafter absolvierte. Bis 1938 stieg die Zahl der Beschäftigten auf 4.500.

    Die Präsenz des Werks Supertessile begünstigte die Entstehung einer darauf bezogenen Aktivität: 1937 errichtete das Unternehmen Montecatini in der Nähe von Supertessile eine Fabrik zur Herstellung von Schwefelsäure, die für die Viskoseherstellung benötigt wurde.[8].

    Das Werk Supertessile 1932

    Im Mai 1938 fusionierten die Werke in Padua, Rom, Rieti und Neapel der Società Generale Italiana della Viscosa zu einem einzigen Unternehmen, der Compagnia industriale società per azioni per la produzione di Viscosa, abgekürzt: CISA Viscosa.

    In den folgenden Jahren wurde die konkurrierende SNIA, die Societa di Navigazione Industria e Commercio, von Franco Marinotti geleitet, der engere Beziehungen zur CISA knüpfte, die sich faktisch der SNIA anschloss. Die Nachfolgegesellschaft nahm den Namen und später umbenannt in Società Navigazione Industriale Applicazione Viscosa (CISA Viscosa) an.

    In der Kriegszeit wurde der Betrieb eingestellt und im Juli 1946 wieder aufgenommen. 1963 beschäftigte das Werk 1.200 Mitarbeiter.

    Verwaltung Durch SNIA Viscosa (1968-1979)

    1968 übernahm SNIA die Anteile der CISA und damit auch das Werk in Rieti, das seinen Namen von CISA Supertessile in SNIA Viscosa änderte.

    Im Laufe der siebziger Jahre drohte aufgrund der Krise im Kunstfasersektor und der immer größer werdenden Verluste der SNIA wiederholt die Schließung des Werks und die Entlassung vieler Beschäftigten. 1972 wurde das Werk Montecatini, das kurz zuvor in Montedison umbenannt worden war geschlossen und stillgelegt.

    Im Februar 1978 schloss die SNIA eine Vereinbarung mit der Federazione Unitaria Lavoratori Chimici (FULC), der Gewerkschaft der Chemiearbeiter, die eine Neuausrichtung der Chemiefaserproduktion vorsah, mit einer Verringerung der Quantität aber einer Steigerung der Qualität. Im Zuge dessen hätten die Anlagen in Rieti umstrukturiert und modernisiert werden. Von den 1.300 Beschäftigten wurden 1.000 entlassen.

    Alle Aufnahmen habe ich mit der Mavic Air 2 von DJI durchgeführt.

    Trotz aller Sanierungsmaßnahmen verschärfte sich die Finanzkrise der SNIA jedoch weiter, und im Mai 1979 legte das Unternehmen der Regierung einen Umstrukturierungsplan vor, um die Zuweisung von staatlichen Hilfsmitteln zu erwirken. Der Zugang zu diesen Mitteln war jedoch an eine finanzielle Sanierungsmaßnahme geknüpft, und es war nicht möglich, ein Bankenkonsortium zu finden, das die Konten des Unternehmens freigeben würde.

    1979 wurde die Produktion von Kunstfasern in allen SNIA-Werken (Pavia, Villacidro, Rieti und Neapel) komplett eingestellt wurde, offiziell wegen Liquiditätsmangels. Während in den anderen Werken auch andere Produktionstätigkeiten ausgeführt wurden, bedeutete die Maßnahme die vollständige Schließung der Anlage in Rieti, die nur Kunstfaser produzierte.

    Das Hauptgebäude des verlassenen Werks Supertessile - ein Lost Place in Rieti
    Das Hauptgebäude des verlassenen Werks Supertessile – ein Lost Place in Rieti

    Nuova Rayon tritt aufs Spielbrett (1986-2002)

    Nach jahrelangen Verhandlungen und Diskussionen wurde das Werk in Viale Maraini 1986 reaktiviert und von Nuova Rayon Italia SpA geleitet, einem Unternehmen, das mehrheitlich der öffentlichen Finanzgesellschaft GEPI gehörte, die gegründet wurde, um private Unternehmen in Schwierigkeiten zu retten, umzustrukturieren und dann zu verkaufen.

    Die Produktion war auf Hochleistungsviskose ausgerichtet, die für spezielle Anwendungen bestimmt war- Für die Wiederaufnahme der Produktion wurde nur ein kleiner Teil der von vor der Krise dort beschäftigten Arbeitnehmer wieder eingestellt, und große Teile des Industriegebiets wurden aufgegeben, so dass die Produktion auf eine viel kleinere Fläche beschränkt wurde.

    Im Mai 1996 verkaufte GEPI seine Beteiligung an Nuova Rayon an die SNIA, die damit wieder alleinige Eigentümerin der Anlage war.

    Im Mai 2002 wurde allerdings die Produktion gestoppt und die 175 Mitarbeiter freigestellt. Nuova Rayon schloss das Jahr 2002 nämlich mit einem Umsatz von 16,7 Millionen Euro und einem Nettoverlust von 8,8 Millionen Euro ab.

    Das verlassene Werk Montecatini, ein Lost Place in Rieti
    Das verlassene Werk Montecatini, ein Lost Place in Rieti

    BembergCell (2003-2006)

    Am 16. Mai 2003 übergab die SNIA, die den Chemiefasersektor als nicht mehr strategisch betrachtet, die Nuova Rayon an das Unternehmen G.Z. Fin. Srl des Unternehmers Maurizio Cimatti für den symbolischen Betrag von 100 Euro. Außerdem zahlte die SNIA angesichts der Kosten für die Wiederinbetriebnahme der Anlagen 15 Millionen Euro in die Kassen von New Rayon ein.

    Die neue Gesellschaft leiteten mehrere Verfahren zur Wiederaufnahme der Produktion ein, indem sie vorübergehend auf den außerordentlichen Entlassungsfonds zurückgriffen, ohne zunächst neue Entlassungen vorzunehmen. Im Oktober 2003 führte G.Z. Fin. einen Zusammenschluss zwischen Nuova Rayon, Bemberg und Novaceta durch, aus dem BembergCell hervorging, mit dem Ziel, einen italienischen Exzellenzpol für Zellulose zu schaffen.

    Dennoch ließ der Erfolg auf sich warten und so wurden im September 2005 57 Mitarbeiter des Werks in Rieti entlassen. Im Laufe des Jahres 2006 geriet BembergCell in eine schwere finanzielle Krise, die so weit ging, dass das Gasunternehmen Enelgas aufgrund unbezahlter Gasrechnungen in Höhe von mehreren Millionen Euro die bevorstehende Unterbrechung der Versorgung des Werks in Rieti ankündigte, weshalb BembergCell gezwungen war, das Werk zu schließen. Noch im selben Jahr wurde die Insolvenz von BembergCell, die Schulden in Höhe von über 100 Millionen Euro angehäuft hatte, angekündigt.

    2007 teilte der Insolvenzverwalter mit, dass es trotz wiederholter Versuche nicht möglich war, Lösungen zu finden, die eine Wiederaufnahme der Produktion ermöglichen würden. Er verfügte die endgültige Einstellung der Tätigkeit und die Entlassung aller Beschäftigten.

    Einige Tanks des verlassenen Werks Supertessile - ein Lost Place in Rieti
    Einige Tanks des verlassenen Werks Supertessile – ein Lost Place in Rieti

    Das Werk Supertessile und Montecatini heute: Lost places in Rieti

    Das Werk Supertessile und Montecatini sind seit Jahren in das Stadtgebiet integriert und von Wohnvierteln umgeben und sind die berühmteste von den vielen Lost Places in Rieti.

    Zusammen mit der ehemaligen Zuckerfabrik teilen sie die Stadt in zwei Hälften: das alte Stadtzentrum und die Stadtteile Città Giardino und Molino della Salce-Regina Pacis im Süden und die neueren Viertel Madonna del Cuore und Micioccoli im Norden. Gerade wegen ihrer zentralen Lage ist ihre Umnutzung für andere Zwecke seit Jahren ein wichtiges Thema der lokalen Politik.

    Die Fläche der beiden Anlagen beträgt mehr als 30 Hektar und müsste saniert werden, da der Boden und die Gebäuden von gefährlichen Stoffen, insbesondere Schwefelkohlenstoff und Pyritasche kontaminiert sind.

    Das Innere des Werks Montecatini in Rieti. Foto von Alessandro Blasi.

    Immerhin wurde der gefährlichste Teil zwischen 2007 und 2011 der kontaminierten Reste entsorgt und das Schwefelkohlenstoffgas entfernt, das aufgrund seiner Gefährlichkeit bis 2011 die Anwesenheit bewaffneter Sicherheitskräfte am Eingang der Anlage erforderte.

    2015 wurde mit der Sanierung der oberirdischen Abfälle und der Entleerung der Tanks für chemische Substanzen begonnen; bis Ende 2016 wurden schon mehr als tausend Tonnen Sondermüll entsorgt.

    Im ehemaligen Montecatini-Gebiet, also im Süden des Industriegeländes, wurde noch nicht mit der Bonifizierung begonnen, da die Eigentümer der Grundstücke, auf denen die Anlage steht, sich gegen die Auflagen wehren. Am 11. April 2011 teilte das Umweltamt ARPA der Gemeinde Rieti mit, dass “eine Verschmutzung des Bodens durch Pyritasche festgestellt wurde”.

  • Richtig fluchen auf Italienisch: ein Crashkurs über die gängigsten Schimpfwörter

    Aufgewachsen in einem alles andere als puritanischen Umfeld, lerne ich schon von Klein auf allerlei italienische Schimpfwörter. Richtig Fluchen auf Italienisch konnte ich zum Beispiel viel früher als Fahrrad fahren. Dabei war das korrekte Verstehen – und Einsetzen! – der Wörter lebensnotwendig, um auf etwaigen Beschimpfungen anderer Kinder schlagfertig zu antworten und ihre Beleidigungen zu parieren.

    Inzwischen kann ich die vielfältigen Wortgebilde der italienischen Sprache mit etwas mehr Distanz betrachten und sie nicht nur als Mitteln im Überlebenskampf unter ungezogener Kinder oder pubertierender Jugendlichen anzusehen.

    Apropos Italienreisen: Falls Du als Single nach Italien aufbrichst – ob für ein romantisches Wochenende in Rom oder auf der Suche nach neuen Matches – lohnt sich oft auch ein Blick auf das eigene Dating-Profil. Als Dating-Fotograf in München fotografiere ich Singles, die mit authentischen, professionellen Profilbildern auf Tinder, Bumble & Co. besser ankommen wollen. Mehr dazu findest Du in meinen Dating-Fotos-Tipps.

    Mann und Frau streiten sich gestikulierend an einer Küchentheke
    Hitzige Diskussionen entstehen schnell – die richtigen Worte zu finden, ist da nicht immer leicht

    Richtig Fluchen auf Italienisch will gelernt sein

    Im Folgenden möchte ich mit Dir das wesentliche Vokabular, um schimpfende Italiener zu verstehen und ihnen passend zu antworten, sollte dies notwendig sein.

    Da die Liste an Kraftausdrücke und Beleidigungen im Italienischen endlos ist und außerdem jede Region eigene, manchmal sogar sehr poetische Schimpfwörter aufweist, werde ich mich auf die gängigsten Wörter beschränken.

    Solltest Du vor haben, ein Wochenende in Rom zu verbringen oder zum Karneval von Venedig zu fahren, kann Dir dieser Artikel so manche peinliche Situation ersparen.

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    Falls Du nach einer Lektüre für Deinen nächsten Italienurlaub suchst, empfehle ich Dir das sehr günstige Italienisch schimpfen: Beleidigungen, Flüche, Sauereien*. Auf lustiger Weise stellen die Autoren die Fülle an unartigen Begriffen der Italienischen Sprache dar und das vorgestellte Vokabular ist tatsächlich gut zu gebrauchen.

    Richtig Fluchen auf italienisch

    Es gibt drei unterschiedliche Flucharten:

    • Schimpfwörter (z. B. “cazzo!”): sind eine Form der Interjektion, d. h. des Dialogs mit sich selbst, und werden verwendet, um symbolisch seine Aggressivität gegenüber einem unbelebten Objekt oder einer Situation zu zeigen; zu den Schimpfwörtern gehören auch Profanitäten (d. h. die Verwendung heiliger Begriffe außerhalb religiöser Kontexte) und Gotteslästerung;
    • Beleidigungen (z. B. “stronzo!”): Diese Worte werden verwendet, um eine andere Person anzugreifen und zu verletzen oder ihr Selbstwertgefühl zu mindern;
    • Flüche (z. B. “mortacci tuoi!”): Ausdrücke, mit denen dem Empfänger Unheil gewünscht wird.

    Manchmal kann ein Wort sowohl als Schimpfwort (“Che tempo di merda”, was für ein Scheißwetter), als auch als Beleidigung gelten (“Sei un amico di merda”, du bist ein Scheißfreund) gelten. Der Übergang ist oft fließend und nur im situativen Kontext ist es möglich, zu wissen, ob jemand beleidigt wird oder sich der Ausruf ein Ausdruck des Ärgers oder der Verwunderung ist.

    Unter Freunden können Beleidigungen ihren aggressiven Charakter verlieren und sprechen eher für ein inniges (freundschaftliches) Verhältnis zwischen den Beteiligten.

    Junge Frau mit erhobenen Händen schreit wütend vor grauem Hintergrund
    Manchmal hilft nur ein kräftiger Ausruf – ob auf Deutsch oder Italienisch.

    Vaffanculo!

    Der Klassiker. “Vaffanculo“, auf Deutsch sinngemäß “Fick dich!”, wird verwendet, um jemanden aufzufordern, zu verschwinden oder (nicht) zu tun. Vai a cagare weist eine ähnliche Vulgarität auf, Vai a quel paese! klingt etwas höflicher.

    Beispiel:

    Mi hai tamponato la macchina, vaffanculo!

    Auf Deutsch:

    Fick dich, du hast meinen Wagen angefahren!

    Merda!

    Merda“, auf Deutsch Scheiße, signalisiert als alleinstehender Ausdruck, dass etwas nicht in Ordnung ist. Accidenti oder cavoli sind abgeschwächte Synonyme.

    Merda! Ho dimenticato i documenti a casa!

    Scheiße! Ich habe die Dokumente im Haus vergessen!

    Che palle!

    Che palle, auf Deutsch “Was für Eier”, zeigt, dass uns etwas nervt oder langweilt. Che noia ist ein abgeschwächtes Synonym. Im Deutschen kann der Ausdruck sowohl mit “was für ein Scheiß” oder “langweilig” übersetzt werden.

    Che palle compilare la dichiarazione dei redditi!

    Was für ein Scheiß, die Steuererklärung auszufüllen.

    Che culo!

    Che culo, auf Deutsch “Was für ein Arsch”, weist entgegen der wortwörtlichen Übersetzung auf großes Glück. Es kann mit “Schwein gehabt!” oder “Was für ein Glück!” übersetzt werden. Als Synonym kann “Che fortuna” verwendet werden.

    Ho trovato 50 Euro. Che culo!

    Ich habe 50 Euro gefunden. Was für ein Glück!

    Mann zeigt im Büro aufgebracht auf ein Dokument vor zwei Kollegen
    Auch im Berufsleben kann die Stimmung schnell mal hochkochen.

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    Cazzo! und Ableitungen

    Wer richtig fluchen auf Italienisch möchte, kommt nicht da­rum he­rum, das Wört­chen zu er­wäh­nen, das in Ita­lien in fast je­der Konversation auf­taucht: cazzo! Cazzo heißt wörtlich Schwanz, bezogen auf den männlicher Genitalapparat. Es wird allerdings von Italienern sehr häufig entweder als Schimpfwort, als Ausruf der Überraschung, des Ärgers oder gar der Freude oder um etwas in einem Satz zu betonen verwendet. Also ein multifunktionelles, intergenerationales Schimpfwort, wie man heute wohl sagen würde.

    Das Wortes gilt zwar als vul­gär, es hat dennoch Einzug in die alltägliche Um­gangs­spra­che gefunden und wird von allen sozialen Schich­ten benutzt. Im Deutschen würde es einer vulgärerer Version von “Scheiße!” oder “Fuck!” entsprechen. Es sind auch viele abgeleitete Begriffe im Umlauf, die ich Dir im Folgenden vorstelle.

    Cazzo! Mi hanno rubato la macchina!

    Non me ne frega un cazzo!

    Fuck! Mein Auto wurde gestohlen.

    Es ist mir scheißegal!

    Cazzata

    Cazzata ist eine ziemlich sinnlose oder dumme Aktion. Synonyme sind: cretinata, cavolata, scemenza.

    Che cazzata vendere ghiaccio agli eschimesi.

    Was für ein Blödsinn, den Eskimos Eis verkaufen.

    Incazzarsi

    Incazzarsi heißt wütend werden, sich stark ärgern oder aufregen. Womöglich ist das Verb aus der Ähnlichkeit zwischen der aggressiven Reaktion des sexuellen Verlangens und der wütenden Reaktion des Zorns, die beide zu erhöhtem Herzschlag, Rötung und ähnlichen Erscheinungen führt.

    Lamentarsi e incazzarsi non aiuta.

    Jammern und sich aufregen hilft nicht.

    Che cazzo vuoi? Che cazzo dici?

    Che cazzo …. gefolgt von einem Verb deutet auf eine Abneigung des Sprechers gegenüber der Handlung, die sein Gegenüber ausführt. In einer kleinen Stadt in Umbrien war ich mit meinem Bruder im Auto unterwegs zum Bahnhof, und beim Warten an der Ampel schauten wir uns um. Ein älterer Herr, offensichtlich irritiert von unserem Beobachten, rief einem von uns zu: Che cazzo guardi? (Was zum Henker gibt es zu glotzen?)

    Che cazzo vuoi?

    Che cazzo dici?

    Was zum Teufel willst du?

    Was erzählst du für einen Scheiß?

    Testa di cazzo

    Testa di cazzo ist eine Beleidigung, die normalerweise an Personen gerichtet wird, die bewusst böse handelt oder verachtenswert ist. Der Ausdruck gilt sowohl für Männer als auch für Frauen.

    Sei una testa di cazzo!

    Du bist ein Arschloch!

    Grazie al cazzo

    Testa di cazzo ist ein ironischer Ausdruck, der betonen, dass es sich um etwas oder eine Aussage handelt, die offensichtlich oder banal ist.

    A: La terra è rotonda.

    B: Grazie al cazzo!

    A: Die Erde ist rund.

    B: [Ironisch] Danke für die Info!

    Stronzo

    Stronzo, auf Deutsch “Stück Scheiße”, gilt im Italienischen als vulgäres Schimpfwort. Ich kannte die Beschimpfung nur gegenüber Menschen, die sich bösartig verhalten – wie testa di cazzo oder bastardo -, allerdings weist das Wörterbuch Treccani darauf hin, dass es auch genutzt wird, um “allgemein eine Person zu bezeichnen, die ungeschickt und unfähig ist oder die sich in jedem Fall fragwürdig verhält”. Oft wird stronzo auch scherzhaft, in einem freundlichen Ton unter Freunden verwendet.

    Tu sei proprio stronzo!

    Du bist ein richtiges Arschloch!

    Coglione

    Coglione, auf Deutsch “Hoden”, wird verwendet, um jemanden zu beleidigen, der etwas nicht sofort versteht, der uns ärgert oder der sich dumm verhält. Synonyme sind: idiota, cretino, stupido, deficiente.

    Fai attenzione, coglione!

    Pass doch auf, du Depp!

    Kauderwelsch Slang* verrät dir die lässigen und flapsigen Ausdrücke der Alltagssprache, die saftigen Flüche, mit denen man seinem Ärger Luft macht, die Sprache der Szene und der Straße. Mit dem Buch kannst Du den landestypischen Humor verstehen, in den Jargon der nächtlichen Großstadt eintauchen, die Einheimischen beeindrucken und natürlich Leute kennenlernen.

    Buchcover "Italienisch schimpfen – Beleidigungen, Flüche, Sauereien" von Eichborn Verlag mit Cartoon-Figur
    Italienisch schimpfen: ein humorvoller Überblick über Beleidigungen, Flüche und derbe Ausdrücke.
    Buchcover "Kauderwelsch Italienisch Slang" von Reise Know-How mit Comicfigur und Sprechblase "Che figata!"
    Kauderwelsch Slang Italienisch: Umgangssprache und Ausdrücke für den Alltag in Italien.

    Falls Du nach einer Lektüre für Deinen nächsten Italienurlaub suchst, empfehle ich Dir das sehr günstige Italienisch schimpfen: Beleidigungen, Flüche, Sauereien*. Auf lustiger Weise stellen die Autoren die Fülle an unartigen Begriffen der Italienischen Sprache dar und das vorgestellte Vokabular ist tatsächlich gut zu gebrauchen.

    Über den Autor

    Claudio Salvati ist professioneller Dating-Fotograf mit Sitz in München und fotografiert Singles für Online-Dating-Profile in 16 Städten in Deutschland und Österreich, darunter Berlin, Wien, Stuttgart und Salzburg. Wenn er nicht gerade Dating-Fotos macht, schreibt er über seine Reisen und das Leben in Italien. Mehr über sein Fotografie-Angebot erfährst Du auf der Dating-Fotografie-Seite.

    Mehr da

  • Die perfekte Packliste für Wander- und Klettersteigabenteuer

    Viele meiner Landschafts- und Naturfotos sind beim Wandern entstanden, einige auch, als ich am Klettersteig hing. Zwar sorgt eine Spiegelreflex-Kamera samt Objektiv nicht unbedingt für einen leichten Rucksack, doch ich habe es kaum bereut, sie dabei zu haben. (Dagegen gab es mehr Gelegenheiten, mich zu ärgern, keine Kamera dabei zu haben.)

    Das nehme ich beim Wandern und Klettersteig mit

    Damit ich nicht lange überlegen muss, sondern meine Zeit im Freien verbringen kann, habe ich diese Packliste ausgerichtet aufs Wandern und Klettersteig zusammengestellt. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen und vergnüglichen Erlebnis liegt nämlich in der Ausrüstung, so wenig wie möglich, so viel wie nötig, und am besten nicht allzu schwer.

    Klettersteigset

    Für einen Klettersteig brauchst du einen bequemen und gut sitzenden Klettergurt und ein Klettersteigset, das für dich leicht zu handhaben ist. Außerdem brauchst du einen geeigneten und gut sitzenden Helm. Ich habe den Via Ferrata-Set Ergo Core von Salewa*, einen günstigen Klettergurt von Sportscheck und einen fast antiken Helm, der von meinem Vater schon in den 80ern benutzt wurde. Da ich großer Salewa-Fan bin – und bei jeder Fahrt nach Venedig stocke ich meinen Kleiderschrank im Salewa-Outlet in Montebelluna auf -, habe ich als Gurt den Salewa Via Ferrata Evo* und als Helm den Salewa Toxo* verlinkt. Falls Dein Klettersteigset nicht über eine separate “Ruheschlaufe” verfügt, ist es hilfreich, eine Bandschlinge* mit Schraubkarabiner* mitzuführen und diese zum Ausruhen ins Stahlseil einzuhängen.

    Klettersteig-Set*
    Klettersteiggurt*
    Kletterhelm*
    Zum Ausruhen: Bandschlinge* und Schraubkarabiner*
    Kletterhandschuhe*

    Schuhwerk für den Klettersteig

    Der wichtigste Teil deiner Kleidung sind natürlich die Schuhe, die dafür sorgen, dass ich am Felsen nicht den Halt verliere und selbst bei Regen immer einen stabilen Stand habe. Ich benutze sowohl zum Wandern im hochalpinen Gelände als auch im Klettersteig Löwa-Schuhe aus dem Jahre 2011, die ich nach zehn Jahren habe neu besohlen lassen. Das Modell gibt es inzwischen nicht mehr, deswegen schlage ich Dir folgende Modelle vor: Trekkinghalbschuhe von La Sportiva* und niedrige Approach-Schuhe von Salewa*.

    Wenn Du Schuhe kaufst, achte bitte auf die Passform, die Bindung, einen robusten Rand der Sohle, eine “Climbing Zone” – das ist eine profillose Zone im Frontbereich – sowie ein fürs Klettern geeignetes Profil.

    Trekkinghalbschuhe* oder niedrige Approach-Schuhe*

    Bekleidung Fürs Wandern und für den Klettersteig

    man wearing black hoodie carries black and gray backpacker near trees during foggy weather
    Photo by Lalu Fatoni on Pexels.com

    Ich empfehlen Dir flexible und robuste Kletterkleidung, die Du am besten nach dem Zwiebelprinzip in mehreren Schichten trägst. Denn auch wenn Du auf dem Weg nach oben schwitzt, willst Du Dich später beim Abstieg bestimmt nicht erkälten.

    Regenjacke*
    Warme Mütze*
    Multifunktions-Halstuch*
    Jacke*
    Funktionsunterwäsche bei niedrigen Temperaturen: Leggings* und langärmliges Shirt*
    Kletterhose (wasser- und winddicht)*
    Kompressionssocken*
    Softshell-Handschuhe*

    Rucksäcke Fürs Wandern und für den Klettersteig

    Erfahrungsgemäß ist es gut, auf einem Klettersteig einen leichten und kleinen Kletterrucksack zu haben, ohne viele Bänder an der Außenseite. Es sollte eh vermieden werden, Dinge an der Außenseite zu befestigen, denn das führt oft dazu, dass Du Dich im Steig irgendwo verfängst und in unangenehme Situationen gerätst. Für reine Wanderungen ohne Kletterpassagen ist es zwar auch sinnvoll, einen kleinen und leichten Rucksack zu haben, aber dann ist es nicht schlimm, wenn er doch etwas größer ist.

    In den letzten Jahren habe ich Rucksäcke von vielen Herstellern gekauft und war bisher mit denen von Deuter und Salewa wegen ihrer langen Lebensdauer und Belastbarkeit sehr zufrieden.

    Klettersteigrucksack* oder Wanderrucksack*

    Sonstige nützliche Accessoires

    wood fashion people woman
    Photo by cottonbro on Pexels.com

    Für (Not-)Fälle aller Art habe ich noch folgende Gegenstände immer bei mir: Nahrhafte und gesunde Verpflegung (besonders bei langen Touren), Sonnenschutz, eine Stirnlampe, ein voll aufgeladenes Handy und ggf. eine volle Powerbank, ein Erste Hilfe-Set und eine Rettungsdecke, die gleichzeitig als Biwaksack verwendet werden kann. Leichte und vor allem verstaubare Wanderstöcke bei langen Wanderungen nicht vergessen!

    Handy, Personal- sowie DAV-Ausweis
    Deuter Erste Hilfe-Set*
    Stirnlampe bis 300 Lumen*
    Biwaksack/Rettungsdecke*
    Powerbank*
    Trinkflasche*
    Muesliriegel*
    Sonnencreme*
    MicroSD-Karte*

    Verpflegung bei Mehrtagestouren

    Die Verpflegung bei einer Mehrtagestour ist zwar wichtig, vor allem wenn wenige oder gar keine Hütten auf der Stecke liegen und Du von Anfang an das Essen und das Wasser mit Dir herumschleppen musst.

    Bio-Kokosmilchpulver* (als Ersatz für Jogurth)
    Bolognese-Sause für Nudeln oder Reise*
    Trek’n Eat Chicken Tikka Masala*
    Bio-Beerenmix* (für Muesli)
    Wasserdesinfektionstabletten* und Tropfen, um den Chlorgeschmack zu entfernen*

    Die Routenplanung

    Wenn du dich schließlich für eine Route entschieden hast, empfehlen wir dir, dir das Niveau genau anzuschauen und dich am Anfang nicht zu überschätzen. Das würde dich nicht nur den Spaß und deine gute Laune kosten, sondern es kann einen Klettersteig auch zu einem sehr gefährlichen Unterfangen machen. Wähle deine Tour nach deiner Fitness und Erfahrung. Anders als beim Klettern sind die Schwierigkeitsgrade mit A – E gekennzeichnet. A ist der leichteste, E ist extrem schwierig.

    Neben den Schwierigkeitsgraden ist auch die Länge des Klettersteigs ein wichtiger Faktor. Ein kurzer, aber schwieriger Klettersteig kann leichter zu bewältigen sein als ein langer, leichter. Es ist auch wichtig, einen Ausstiegsplan zur Hand zu haben, d.h. du solltest wissen, wo sich die Notausstiege auf der Route befinden. Nicht zuletzt kann es auch nützlich sein, zu wissen, wie lange der Abstieg nach dem Klettersteig dauert oder wie du zur nächsten Hütte kommst.

    Bevor du dich auf die Route begibst, solltest du dir auch die Topografie (die Karte der Route) ansehen und dir vielleicht sogar einige Details einprägen, wie z.B. die Ausgänge und Cruxes (schwierigste Stellen). Vor allem bei Klettersteigen, die in höheren Lagen liegen, solltest du auch herausfinden, ob auf der Route eine Schneewahrscheinlichkeit besteht.

    Für Mehrtageswanderungen empfehle ich Dir einen Rucksack mit einem Fassungsvermögen von mindestens 48 Litern, und wenn Klettersteige auf dem Weg liegen, ist ein 60-Liter-Rucksack eine sichere Wahl.

  • Der Drohnenabsturz: Von Höhen und Tiefen eines Drohnenflugs – ein sehr ehrlicher (und trauriger) Erfahrungsbericht | Teil 2

    Das Ende der Reise

    In diesem zweiten Teil meines Erfahrungsberichts erzähle ich Dir, wie es zum Drohnenabsturz kam, und zeige Dir noch die letzten Aufnahmen, die ich mit der DJI Spark gemacht habe. Du findest den ersten Teil des Berichts hier: Von Hhöhen und Tiefen eines Drohnenflugs – Teil 1.

    Alice im Winterland

    Fabelhafte Berglandschaft im Winter im Zillertal, Österreich. Dennoch eine traurige Erinnerung an den Drohnenabsturz.
    Fabelhafte Berglandschaft im Winter im Zillertal, Österreich. Verschneite Gipfel, schneebedeckte Bäume, Sonnenuntergang und bester Ausblick ever.

    Am ersten Dezemberwochenende entschied ich mich dazu, bei einem Ausflug ins Zillertal die DJI Spark-Drohne mitzunehmen. Die Akkus waren voll geladen und seit dem Unfall mit der gescheiterten Landung hatte ich die Drohne testen können. Zu meiner Freude und meinem Seelenfrieden funktionierte sie noch einwandfrei – auch der Finger war wieder ganz und ohne verbleibenden Schäden.

    Ich war fest entschlossen, die mit Schnee bedeckten Landschaften in den Alpen auf Video festzuhalten. So packte ich alles in meinen kleinen – dennoch viel zu schweren – Wanderrucksack und am Abend des 4. Dezember war ich wieder im Zillertal, bewaffnet mit guter Laune, viel Essen und warmen Klamotten.

    Am nächsten Tag war ich voller Energie und bereit für den Tag. Selbst das Wetter spielte mit: In der Nacht waren über 30 cm Schnee gefallen, der nun alle umliegende Berge bedeckte, und noch mehr kam während des Vormittags vom Himmel runter. Bei einer solch pittoresken Landschaft konnte selbst die eisig kalte Luft meine Stimmung nicht herunterziehen!

    Ich zog mich warm an – die Skihose mit pinker Fleece-Fütterung ist für mich im Winter unentbehrlich – und lief ins Freie, umgeben von schwebenden Schneekristallen. Schneeschuhe hatte ich – so naiv wie ich war – im Auto gelassen, schließlich hielt ich es für unwahrscheinlich, dass wirklich ein halber Meter Schnee am Boden liegen würde, so wie die Vorhersage es angekündigt hatte.

    Deswegen steckte ich knietief im Schnee und jeder Schritt erinnerte mich an die Entschlossenheit Sylvester Stallones in Rocky IV, als er in der sibirischen Wildnis für den Kampf gegen Ivan Drago trainierte. Ich wusste, es würde ein kurzer Spaziergang werden, denn trotz aller Vorsicht konnte ich nicht verhindern, dass Schnee in die Schuhe fiel, und ich wollte nicht stundenlang mit eisig-nassen Füßen herumlaufen. Trotzdem machte ich mich mit der Drohne im Schlepptau auf den Weg zum Wald und war gespannt darauf, die DJI Spark über die Wälder zu fliegen.

    Eine verschneite und kreisförmige Waldansicht aus der Vogelperspektive, Drohne DJI Mavic Air 2 in Österreich auf Standkopf, Sagtalerspitzen im Zillertal. Dort erfolgte der Drohnenabsturz.
    Eine verschneite und kreisförmige Waldansicht aus der Vogelperspektive. Diese Aufnahme stammt von der neuen DJI Mavic Air 2.

    Bei dem vielen Schnee hatte ich mit dem Quadrocopter tatsächlich Schwierigkeiten, vorwärts zu fliegen, da der Hinderniserkennungssensor den fallenden Schnee wohl als unüberwindbare Mauer wahrnahm. Glücklicherweise hatte ich die Eingebung, einfach rückwärts zu fliegen, denn Sensoren sind bei der Spark nur vorne und unten angebracht. So konnte ich in einer halbwegs flüssigen Bewegung über die Baumspitzen fliegen, ohne ständig vom Piepen des Warnsystems und dem damit verbundenen abrupten Halt der Drohne genervt zu sein.

    Der erste Flug in der Luft verlief recht reibungslos: Der Schneefall hatte ein wenig nachgelassen und die Sichtverhältnisse waren gut. Die Maschine kam mit Temperaturen knapp über Null gut zurecht- meine Finger weniger.

    Berauscht von dem tollen Ausblick und der Aussicht auf interessante Aufnahmen, ließ ich die Drohne nach fünf Minuten schon zurückkommen, um weiter nach oben zu steigen und dort einen neuen Flug zu starten.

    Welch bescheuerte Idee…

    Eine gute Viertelstunde später – und womöglich nur ein Dutzend Höhenmeter weiter oben – war ich bereit für den zweiten Flug. Den Akku hatte ich nicht ausgetauscht. Ich wollte nämlich jedes kostbare Quantum Energie ausnutzen und den zweiten Akku für einen späteren Flug einsetzen, da ich in der Hütte keinen Strom hatte, um sie wieder aufzuladen.

    Von der neuen Position startete ich die Maschine erneut, wendete die gleiche Strategie wie davor an, um den Hinderniserkennungssensor auszutricksen, und erfreute mich sehr über den Livestream der Aufnahmen der Drohne, der auf dem Display meines Smartphones angezeigt wurde.

    Die letzten Aufnahmen meiner DJI Spark. Danach kam es zum Drohnenabsturz.
    Die letzten Aufnahmen meiner DJI Spark vor dem Absturz der Drohne.

    Der Akku ging langsam zu Neige, auch wegen der Kälte, und schon bald wollte mich DJI zwingen, mittels Return to Home-Funktion den Flug abzubrechen. Ich hatte jedoch andere Pläne, auch weil der automatische Rückkehrflug nach vorne ständig vom fallenden Schnee behindert wurde. Ich drehte also die Drohne um 180° und flog so rückwärts zu mir zurück, um sie in Empfang zu nehmen und die letzten Bäumchen zu filmen. Ein Blick auf die Akkuanzeige verriet mir, dass ich noch genügend Kapazität für den Rückflug hatte.

    Aber ich hatte nicht berücksichtigt, dass die Berechnung der Anzeige sich plötzlich ändern könnte: Innerhalb weniger Sekunden hatte der Akku nicht mehr 14% Kapazität, sondern nur noch 6%. Augenblicklich leitete die KI der Drohne eine erzwungene Notlandung ein, obwohl die Maschine keine zehn Meter mehr entfernt war. Die Drohne schwankte, widersetzte sich in den ersten Sekunden, doch dann gab sie dem übergeordneten Befehl nach und stürzte hinter den letzten Bäumen Richtung Boden. Mit so einem Drohnenabsturz hatte ich nicht gerechnet.

    Die Such- und Rettungsaktion: DJI Spark in Gefahr!

    Ich konnte es nicht fassen: Zum ersten Mal war ich richtig enttäuscht – von mir selbst als Pilot, von meinem blinden Vertrauen in die Technik und auch von DJI. Die Maschine war so nah gewesen, hätte nur ein paar Sekunden mehr durchhalten sollen. Wie konnte das passieren? Ich hatte die Drohne die ganze Zeit fest im Blick und plötzlich war sie weg… Ich hatte den Drohnenabsturz gar nicht erwartet.

    Nichtsdestotrotz hatte ich keine Zeit, mich um meine Gedanken zu kümmern: Ich musste die Drohne suchen und bergen!

    Der Abhang war viel zu steil, um auf direktem Wege zum Quadrocopter zu gelangen. Ich watschelte im Schnee zum Wanderweg und folgte diesem einige Meter bergab, um bei einer passenden Stelle in den Wald einzudringen und die vermeintliche Absturzstelle zu finden. Doch die Bäume sahen von unten alle gleich aus und ich hatte keine Ahnung, wo der Drohnenabsturz erfolgt war.

    Ich konnte nur vage Unterschiede hinsichtlich der Größe der Krone der Bäume wahrnehmen und hatte auch nur eine vage Vorstellung, wo die Drohne abgestürzt war und wo ich mich jetzt befand – zwei Schätzungen, die ohnehin viel Unsicherheit beinhalteten und anhand derer ich die richtige Stelle finden musste. Ich machte mir Hoffnungen, dass ich den roten Körper und vielleicht noch blinkende Lichter sehen würde: Laut Steuerung war die Flugmaschine noch in Betrieb, obwohl kein Video mehr übertragen wurde. Ich konnte aber nichts finden. Ich hatte auch keinen Plan, wo sie hätte sein können.

    Dann hatte ich eine bahnbrechende Idee: Die Aufzeichnungen vom Drohnenabsturz auf dem Handy überprüfen. Doch die DJI-App erwies sich als untauglich für Rettungsaktionen, denn obwohl dort sowohl Startpunkt als auch Drohne auf einer Karte zu sehen waren, wurde meine eigene GPS-Position weder angezeigt, noch auf der Karte markiert. Ohne feststellen zu können, wo ich genau war, tappte ich wie ein Blinder im Dunkeln.

    Auch die letzte Videoübertragung des Drohnenabsturzes war nicht aufschlussreich: Von oben sah der Wald völlig anders aus als von unten, und selbst als ich dachte, die Lichtung gefunden zu haben, aus der die Drohne ihre letzten Signale sendete, konnte ich nichts sehen. Keine Rauchsäule gen Himmel, keine brennende Wrackteile, keine aus dem Schnee emporragenden Rotoren oder roten Plastikteile…

    Eine knappe halbe Stunde suchte ich die Gegend ab, in der Absicht, meine verhasste und doch geliebte Drohne zu finden. Mit jeder Minute, die verging, verschwand auch ein Fünkchen Hoffnung und als ich der Meinung war, alles versucht zu haben, kehrte ich dem Wald den Rücken zu und ging zur Hütte zurück.

    Ich bin mir sicher, die Drohne ist immer noch in dem Wald, und sobald der Schnee wieder auftauen wird, werde ich zurückkommen und sie finden.

    Oder doch nicht das Ende?

    DJI Mavic Air 2 Fly More Combo, eine der bestbewerteten Flugdrohnen im zivilen Bereich. Nach dem Drohnenabsturz der DJI Spark habe ich diese neue Drohne gekauft.
    Die neue Mavic Air 2 als Ersatz für die verschollene DJI Spark

    War das jetzt alles? Nein! Denn obwohl die DJI Spark immer noch verschollen ist, habe ich die Leidenschaft für Quadrocopter noch nicht aufgegeben. Ich habe inzwischen eine neue Drohne bestellt, eine DJI Mavic Air 2 auf Amazon*, und ich werde trotz des bösen Endes der Spark weiterhin Spaß am Fliegen haben und ein wenig über meine Unfähigkeit als Pilot sowie als Produzent von Videos mit hohem Einschlaffaktor lachen. Dieses Mal werde ich meine Fort- bzw. Rückschritte im Blog dokumentieren, um Dich daran teilhaben zu lassen.

    Mehr Drohnenvideos…

    … sowohl mit der DJI Spark als auch mit der neuen DJI Mavic Air 2 gibt es auf meinem Youtube-Channel, den ich ständig erweitere und mit Content füttere: Salvati Photography auf YouTube.

  • Von Höhen und Tiefen eines Drohnenflugs – ein sehr ehrlicher Erfahrungsbericht | Teil 1

    Eine Liebesgeschichte

    In diesem ersten Teil meines Erfahrungsberichts erzähle ich Dir, wie meine ersten Erfahrungen mit der DJI Spark waren, und zeige Dir einige Aufnahmen, die ich damit gemacht habe. Du findest den zweiten Teil des Berichts samt Drohnenabsturzvideo hier: Von Höhen und Tiefen eines Drohnenfluges – Teil 2.

    Der Anfang

    Ich bin schon immer ein großer Fan von Drohnen gewesen. Ich kann mich noch daran erinnern, wie groß meine Vorfreude auf die GoPro Karma bei deren Ankündigung gewesen war und ebenso groß war meine Enttäuschung, als der Release immer wieder verschoben wurde.

    Mit dem Aufstieg der chinesischen Firma DJI wurde mein Interesse noch größer und im Frühjahr 2019 entschied ich mich dazu, eine kleine DJI Spark zu kaufen. Ich gab bei Idealo meinen Wunschpreis für das All-inclusive-Paket – auch Fly More Combo genannt – ein, ein paar Wochen später wurde dieser erreicht und ich konnte mich damit rühmen, endlich eine Drohne zu besitzen.

    Wolltest auch Du schon immer eine Drohne fliegen, kannst Du eine DJI Mavic Mini auf Amazon kaufen*.

    Dieser Ehrentitel war dennoch lange Zeit unverdient, denn die Drohne packte ich tatsächlich erst im März 2020 aus: Fast ein Jahr lang verweilte sie in der Originalverpackung, sei es, weil ich mit meinem fragwürdigen Halbwissen der Rechtslage zu unsicher war, weil ich in jedem Urlaub viel mit dem Mountainbike unterwegs war oder weil ich nicht zusätzlichen “Ballast” mitnehmen wollte und als der Winter 2019 kam, war es mir schlichtweg zu kalt draussen. (Du merkst schon, im Ausreden Finden bin ich auch bewandert.)

    Vergiss nicht, dass jede Drohne eine feuerfeste Kennzeichnungsplakette* wie diese hier aufweisen muss!

    Der erste Drohnenflug

    Als es wieder wärmer war, die Murmeltiere aus ihrem Bau herauskamen und Corona langsam zur globalen Bedrohung erklärt wurde, packte ich die Drohne aus, machte mich mit den unzähligen Paragraphen und Gesetzen vertraut, schloss sowohl die vorgeschriebene Drohnen-Haftpflichtversicherung als auch die von DJI angebotene Care-Versicherung ab und freute mich, die Welt von oben entdecken zu können.

    Doch die ersten Flüge waren gar nicht so spannend, wie ich mir gewünscht hatte. Ich testete die Drohne auf dem Land und bis auf spärlich platzierte Bäume zum Erosionsschutz, unspektakuläres Getreide sowie Rapsfelder war auf den Aufnahmen wenig zu sehen. Ich war dennoch weiterhin motiviert: Schließlich wollte ich erst mit dem Gerät sicher umgehen können, bevor ich mich an halsbrecherische Manöver zwischen Hochhäusern oder im Wald auf der Suche nach Berglöwen und Luchsen heranwagen würde. So lautete zumindest mein Plan.

    DJI Spark-Drohne, DJI ist einer der besten Drohnenhersteller der Welt für Fotos und Videos. Copter für erfahrene und unerfahrene Piloten.
    Die DJI Spark-Drohne beim Unboxing und erstem Laden

    Auch das Auge isst mit

    Aber es kam anders. Und zwar nicht, weil Corona mir einen Strich durch die Rechnung machte und meine zwar im Geist vorhandenen, doch nicht umsetzungsreifen Welterkundungspläne torpedierte, sondern weil meine “Action”-Touren schlichtweg zu langweilig waren. Klar, die Aufnahmen im Wald aus der Vogelperspektive sind nicht übel, aber selbst ich kann die jeweilige Bäumeanhäufung auf dem Bildschirm nicht länger als 20 Sekunden anschauen.

    Die kurze Flugdauer der DJI Spark und der stolze Preis der Zusatzakkus schreckte mich weiterhin ab, die Drohne mit in den Urlaub zu nehmen. Ein Dutzend Minuten Flugzeit – den nominellen Wert von 16 Minuten habe ich bei meinen Flügen nie erreichen können – und die recht holprige Bewegungen der Drohne waren ein Dorn in meinem Auge, um die Drohne mit im Gepäck zu haben. Ich war noch zusätzlich ein wenig von der aus meiner Sicht mittelmäßigen Kamera, die für Fotos und Videos nicht der Hit ist, dem zwei- statt drei-Achsen-Gimbal und und und enttäuscht.

    (Außerdem kommen die jeweiligen rechtlichen Beschränkungen des besuchten Landes noch ins Spiel, die den Einsatz der Drohne zusätzlich unattraktiv machen, wenn zum Beispiel in Venedig die Drohne nur abseits der Stadt, sowie abseits der Kanäle und weiteren Wasserrouten fliegen darf, und dann auch nur in sehr geringer Höhe.)

    Das führte dazu, dass ich die Drohne nur dann mitnahm, wenn ich eh kein Abenteuer im Programm hatte; hier und da eine Wanderung in den Alpen, mal in Landshut über der Burg Trausnitz fliegend den Dom gefilmt, aber mehr auch nicht.

    Mehr “spannenden” Videos von meinen Flügen findest Du übrigens auf Youtube.

    Keine Klettertsteigpassagen in den Dolomiten, keine Aufnahmen von Venedig, keine Mountainbikefahrten und erst recht keine anderen beeindruckenden Sportarten. Da konnte ich die begrenzten technischen Spezifikationen der Drohne so sehr dafür verantwortlich machen, wie ich wollte; meine aufgenommenen Videos waren fade, weil ich schlicht und ergreifend nichts Spannendes gefilmt hatte – als ob ich mit einer besseren und kostspieligeren Drohne die monotonen Aufnahmen hätte aufpeppen können!

    Und dann kam die Wende…

    Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung – angeblich. Und so kam es dazu, dass ich versuchte, die Landschaftsaufnahmen aus der Luft professioneller zu gestalten, mich mit vielen mir noch unbekannten Adobe Premiere Pro-Features beschäftigte und Rat von Google einholte, wie ich besser werden konnte. Mein Kopf wurde regelrecht von Hinweisen, Tipps und Vorschlägen überflutet: Von gecrackten DJI-Apps, die eine ruckelfreie Steuerung der DJI Spark ermöglichen, bis hin zu Videobearbeitungsfunktionen, die durch die zeitliche Ausdehnung oder Kompression des Videos Spannung erzeugen sollten.

    Für jedes scheinbare Problem – selbst für welche, die mir noch nicht bewusst waren -, gab es eine Lösung, die für nur wenig Geld zu haben wäre. Das war mir allerdings zu viel: Ich wollte doch nur die Drohne fliegen, Spaß haben und ein passables Ergebnis präsentieren können. Ich beschränkte mich also auf Adobe Premiere Pro als Videobearbeitungsprogramm und beherzigte einige Tipps beim Fliegen, die ich in Youtube-Videos gefunden hatte. Hier eine kleine Auswahl, bezogen auf die Spark:

    Ich flog die Drohne über unberührte Wälder, jungfräuliche Gipfel und verschneite Landschaften, weiterhin mit mäßigen Ergebnissen. Eine Aufnahme in den Bergen forderte sogar ein Blutopfer, als ich meine Begleitung bat, die Drohne auf ihrer Hand landen zu lassen. Dabei vergaß ich, sie darauf hinzuweisen, dass es sehr wichtig sei, die Hand ausgestreckt und gerade zu halten, die Drohne würde automatisch darauf landen. Als die Maschine im Landeanflug war, griff sie zum Drohnenkörper, um ihn festzuhalten.

    Und es kam, wie es kommen sollte, zumindest nach Murphys Gesetz: Ein Finger rutschte zu weit nach oben und dessen Spitze wurde vom Rotor erwischt, Blut strömte aus der verletzten Hand, die Drohne fiel zu Boden und rutschte Richtung Abhang.

    Zuerst wurde der Finger versorgt: Trotz des tiefen Schnitts war glücklicherweise nichts abgetrennt worden. Wir versorgten die Wunde, so gut wir konnten und machten uns auf den Weg zurück. Die Drohen konnte ich noch einsammeln, sie war zwar ein gutes Stück heruntergerutscht, dennoch war sie noch relativ reicht erreichbar und anscheinend noch in einem guten Zustand. Zurück in der Hütte wurde der Finger gereinigt, desinfiziert und bandagiert, nachdem die Blutung seit einigen Minuten aufgehört hatte. Nach dieser Erfahrung benutzte ich die Drohne lange Zeit nicht mehr.

    Ich ließ mich dennoch nicht entmutigen: Schließlich ist ja alles eine Sache der Erfahrung. Mein Liebäugeln mit der Mavic Air 2 blieb auch nur ein kurzer Flirt aus großer Entfernung, da ich erst die Spark verkaufen wollte, um den nächsten Quadrocopter zu erwerben.