Kategorie: Fotografie lernen

  • Belichtungsdreieck: Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO

    Dieser Artikel ist Teil der Fotografie lernen-Reihe “Grundwissen Fotografie: Lernen, wie was funktioniert” und erklärt das Belichtungsdreiecks und das Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und ISO funktioniert.

    Das Belichtungsdreieck

    Heutzutage kann jeder professionelle Fotoausrüstung Kamera kaufen und damit Bilder aufnehmen. Doch was befriedigende von ausgezeichneten Fotos unterscheidet, ist oft der treibende Wunsch des Fotografen, alles, das die Fotografie betrifft, in- und auswendig zu lernen.

    Zu den wichtigsten Themen der Fotografie gehört das Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO und dies ist der Schwerpunkt dieses Artikels. Sobald Du diese Mechanismen beherrschst, werden Dir noch mehr Tools zur Verfügung stehen, um eine kraftvolle visuelle Geschichte über Deine Bilder zu vermitteln.

    Im Mittelpunkt des Belichtungsdreiecks steht das Licht. Besagtes Dreieck verdeutlicht das Zwischenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO, denn die drei Parameter sind voneinander abhängig und sie beeinflussen sich gegenseitig.

    Folgendes Bild verdeutlicht das Zusammenspiel dieser drei Elemente. An den Kanten befinden sich die Werte des jeweiligen Parameters: Die Blende (aperture) hat in diesem Beispiel Werte zwischen 1/1.4 und 1/11, Belichtungs- bzw. Verschlusszeit (shutter speed) 1/15 bis 1/1000 Sekunden und die abgebildeten ISO-Werte schwanken von 100 bis 6400.

    Aus Wikimedia, von users WClarke and Samsara, Verwendung unter CC BY-SA 4.0.

    Belichtungsdreieck: Beispiel 1

    Nun geht es darum, den ersten Parameterwert zu bestimmen. Ich empfehle Dir, mit der Blende anzufangen, aber je nach Situation kann es auch sinnvoll sein, die Verschlusszeit (shutter speed) zu bestimmen. Sagen wir, Du möchtest mit einer Blendenöffnung von 1/2.8 fotografieren, damit du noch genug Tiefenschärfe hast und dennoch genug Sicherheit hast, dass Dein Motiv scharf auf dem Bild erscheint, auch wenn der Autofokus nicht millimetergenau arbeitet.

    Dann brauchst Du jetzt noch ISO und Verschlusszeit: Auf dem Bild kannst Du sehen, dass je eine Linie von dem Blendenpunkt 2.8 zu den anderen zwei Kanten geht. Eine führt zu 400 ISO, die andere zu einer Verschlusszeit von 1/250. So weit so gut, jetzt weiß Du, dass bei durchschnittlichen Lichtverhältnisse mit einer Blendeöffnung von 1/2.8 der ISO-Wert bei 400 und die Verschlusszeit bei 1/250 Sekunden liegen soll.

    Was ist aber, wenn Du nicht nur die Blende, sondern auch einen zweiten Parameter bestimmen willst, zum Beispiel den ISO-Werte? Ich persönlich würde ihn immer so niedrig wie möglich halten, damit die Bildqualität nicht darunter leidet, deswegen belasse ich den Wert hierfür oft bei 100. Was würde ich für eine Verschlusszeit einstellen können bei diesen Werten?

    Das nächste Bild soll es veranschaulichen. Von dem Blendenpunkt 1/2.8 habe ich eine blaue Linie zu ISO 100 gezogen. Den Wert für die Verschlusszeit kann ich ermitteln, indem ich die Linie von ISO zu Blende als einen einfallenden Strahl betrachte, der dann Richtung Verschlusszeitkante reflektiert wird. Und nach dem Reflektionsgesetz sind Einfallswinkel und Ausfallswinkel gleich groß. Darum zeichne ich eine weitere blaue Linie, die um eine senkrechte zur Blendenkante gedachte Lotlinie die Spiegelung des Einfallsstrahls ist. Diese landet auf eine Verschlusszeit von 1/125 Sekunden.

    Das leuchtet ein: Ein niedrigerer ISO-Werte bedeutet eine schwächere Lichtempfindlichkeit des Bildsensors, deswegen ist die Verschlusszeit in diesem Fall länger.

    Blende (aperture), Belichtungs- bzw. Verschlusszeit (shutter speed) und ISO sind die primäre Parameter des Belichtungsdreiecks, die die Belichtung steuern, beeinflussen sie auch andere Aspekte des Fotos, wie Schärfentiefe (depth of field), und Bewegungsunschärfe (motion blur), und Rauschen (noise). Auf dem Reisefotografie-Blog von Claudio Salvati Photography.
    Originalbild aus Wikimedia, von users WClarke and Samsara, eigene Bearbeitung, Verwendung unter CC BY-SA 4.0.

    Die dicke rote Linie markiert ein zweites Beispiel, in dem ich eine sehr niedrige Verschlusszeit haben möchte, genau genommen 1/500 Sekunden, damit ich die Bewegung meines Motivs einfriere. Analog zu dem vorherigen Beispiel zeichne ich Einfalls- und Ausfallslinie ein und stelle fest, dass ich einen ISO-Wert von 800 brauche.

    Belichtungsdreieck: Beispiel 2

    Allerdings verändert sich das Gleichgewicht je nach Lichtverhältnisse. So ist es bei Dunkelheit manchmal notwendig, einen hohen ISO-Wert und eine große Blendenöffnung einzustellen, um eine halbwegs passable Verschlusszeit (1/80 Sekunden) zu erreichen. Umgekehrt kannst du in Sommer unter der Mittagssonne selbst bei der kleinsten Blende keine Bewegungsunschärfe im Freien bekommen, weil die Verschlusszeit weiterhin sehr kurz ist, deswegen Du einen Graufilter vor der Linse montieren musst.

    Der Hafen von Koper bei Nacht.
    Der Hafen von Koper bei Nacht.

    Praxisbezug

    Wozu brauchst Du dieses Wissen?

    Zum einen ist es wichtig, um zu verstehen, wie Deine Kamera funktioniert und wie die einzelnen Parameter zusammenhängen. Jetzt weißt Du, wie die Kameraautomatik das Gleichgewicht zwischen Blende, Iso und Belichtungszeit erhält und an welcher Stelle Du schrauben kannst, um im Halbautomatikmodus das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

    Zum anderen ist dieses Wissen notwendig, um im manuellen Modus zu fotografieren. Es ist zwar letzten Endes Erfahrungssache, die richtige Einstellung zu treffen; für den Anfang ist jedoch wichtig, Orientierungswerte zu haben, um sich nach und nach der richtigen Einstellungen zu nähern und das Foto optimal zu belichten.

    Selbst “blutigen Anfängern” empfehle ich, den Vollautomatikmodus (P) nicht zu benutzen, da dabei alle Einstellungen der Kamera überlassen werden und kein Lerneffekt einsetzt, so dass jedes gelungene Foto aus dem Zufall heraus entstanden ist und nicht aus gekonntem Tuning von Blende, Iso und Verschlusszeit.

  • Was ist der ISO-Wert?

    Dieser Artikel ist Teil der Fotografie lernen-Reihe “Grundwissen Fotografie: Lernen, wie was funktioniert” und erklärt die Rolle des ISO beim Fotografieren. ISO wird über den ISO-Wert gesteuert und ist einer der drei wichtigsten Parameter in der Fotografie – die anderen zwei sind Belichtungszeit und Blende.

    Was ist ISO in der Fotografie?

    Ich bin schon als Kind auf den Kürzel ISO gestoßen und habe mich gefragt, was das wohl heißen mag. Ich wusste, es gab Analogfilme mit ISO 200 und 400, letztere waren etwas günstiger und deswegen habe ich nur mit solchen fotografiert. Die Bedeutung des Akronyms war mir dennoch lange ein Rätsel.

    Inzwischen weiß ich, dass ISO für International Organization of Standardization steht, die Organisation, die die Empfindlichkeitsbewertungen für Kamerasensoren und Kamerafilme standardisiert. Die Methode zur Messung von Filmempfindlichkeit wurde von der American Standards Association entwickelt, deswegen steht auf älteren Kameras mit integriertem Belichtungsmesser nicht ISO, sondern ASA.

    Die ISO-Skala sagt aus, wie empfindlich der digitale Sensor für Licht ist. Diese wird in Zahlen wie 50, 100, 200, 400, 800, 1600, 3200 usw. angegeben, wobei eine niedrige Zahl eine geringe Lichtempfindlichkeit und eine hohe eine große Lichtempfindlichkeit bedeutet. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Die ASA- bzw. ISO-Skala sagte früher aus, wie empfindlich der analoge Film fürs Licht ist. Bei digitalen Kameras bezieht sich der Wert auf die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors.

    Die ISO-Skala sagt aus, wie empfindlich der digitale Sensor für Licht ist. Diese wird in Zahlen wie 50, 100, 200, 400, 800, 1600, 3200 usw. angegeben, wobei eine niedrige Zahl eine geringe Lichtempfindlichkeit und eine hohe eine große Lichtempfindlichkeit bedeutet.

    Wenn Du also den ISO-Wert von 100 auf 200 änderst, verdoppelst Du die Empfindlichkeit des Sensors.

    Der ISO-Wert aus der analogen Welt besteht bezieht sich auf die physikalischen Eigenschaften des von verwendeten Films, bei der Digitalfotografie dagegen bezieht er sich auf einen elektronischen Prozess. Dennoch ist das Konzept immer noch dasselbe: Der ISO-Wert steuert die Lichtempfindlichkeit.

    Hohe ISO-Werte eignen sich am besten für schlechte Lichtverhältnisse, denn je lichtempfindlicher der Sensor ist, desto weniger Licht muss darauf fallen, um ein gut beleuchtetes Bild zu erzeugen. Warum sollte ich mich also mit Stativ bei Dunkelheit quälen, wenn ich mit einem ISO-Wert von 25.600 auch in der Nacht von Hand fotografieren kann?

    ISO-Rauschen

    Die ISO-Skala sagt aus, wie empfindlich der digitale Sensor für Licht ist. Diese wird in Zahlen wie 50, 100, 200, 400, 800, 1600, 3200 usw. angegeben, wobei eine niedrige Zahl eine geringe Lichtempfindlichkeit und eine hohe eine große Lichtempfindlichkeit bedeutet. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Diese Foto habe ich spät abends geschossen, bei größter Blendenöffnung, dennoch war ein ISO-Wert von 6400 nötig gewesen, um eine Belichtungszeit von 1/80 Sekunden zu bekommen, um ohne Stativ zu fotografieren.

    Der Haken ist, dass je höher der ISO-Wert, desto körniger erscheinen die Fotos, sowohl die analogen als auch die digitalen. In der digitalen Fotografie ist das Rauschen das Nebenprodukt der erhöhten elektrischen Ladung, die erforderlich ist, um den Sensor lichtempfindlicher zu machen. Das Ergebnis: Kleine Flecken auf dem Foto und eine verringerte Bildqualität.

    Die ISO-Skala sagt aus, wie empfindlich der digitale Sensor für Licht ist. Diese wird in Zahlen wie 50, 100, 200, 400, 800, 1600, 3200 usw. angegeben, wobei eine niedrige Zahl eine geringe Lichtempfindlichkeit und eine hohe eine große Lichtempfindlichkeit bedeutet. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Hier die Vergrößerung des Ausschnitts mit der vorderen Boje. Die körnige Struktur wegen des hohen ISOs ist deutlich zu sehen.

    Luminanzrauschen und Chromarauschen

    Es gibt zwei Arten von Rauschen: Luminanzrauschen und Chromarauschen.

    Das Luminanzrauschen behält einen Großteil der ursprünglichen Farbe bei, da diese Art von Rauschen nur die Helligkeit der Pixel beeinflusst. Chromarauschen hingegen erscheint als farbige Flecken oder Körner und verfälscht die Farbe der betroffenen Pixel grundlegend.

    Glücklicherweise leistet Nachbearbeitungssoftware wie Lightroom gute Arbeit bei der Beseitigung von Chromarauschen, auch wenn es besser ist, gleich die Ursachen zu bekämpfen und den ISO-Wert niedrig zu halten.

    Chromarauschen und Luminanzrauschen. Das Luminanzrauschen behält einen Großteil der ursprünglichen Farbe bei, da diese Art von Rauschen nur die Helligkeit der Pixel beeinflusst. Chromarauschen hingegen erscheint als farbige Flecken oder Körner und verfälscht die Farbe der betroffenen Pixel grundlegend. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Chromarauschen und Luminanzrauschen. Die hellen Pixel sind deutlich im Bereich des schwarzen Armaturenbretts zu sehen, die Pixel der Karosserie weisen sehr viele Farben aus, obwohl sie nur weiß lackiert ist.

    Wann benutze ich welche ISO-Einstellung?

    Nun weißt Du über die Funktionsweise vom ISO und über die Nachteile von hohen ISO-Werten Bescheid. Was heißt es konkret für Dich und Deine Fotografie?

    In diesem Artikel erkläre ich, warum ich die Blende für den wichtigsten Parameter beim Fotografieren halte und weshalb ich meist im Blendenprioritätsmodus fotografiere. Je nachdem, welche Blendenöffnung ich brauche, lasse ich von der Kamera die Verschlusszeit automatisch ermitteln. Und nach ihr stelle ich den ISO-Wert dann ein, der prinzipiell immer so niedrig wie möglich ist.

    Wenn ich nämlich eine große Blendenöffnung möchte, aber die Verschlusszeit ist wegen der schlechten Lichtverhältnisse zu lang, erhöhe ich den ISO-Wert, bis die Verschlusszeit niedrig genug ist, um das Bild einzufangen, ohne ein Stativ benutzen zu müssen. 

    Doch die Bildqualität leidet schon bei einem ISO-Wert ab 800 unter dem Rauschen, so dass die Bilder, die bei höheren Werten entstehen, kaum meinen Ansprüchen genügen. Dann gilt es, die Blende entweder weiter zu vergrößern, oder doch ein Stativ zu nutzen bzw. die Kamera auf den Boden oder eine Sitzbank zu legen, damit ich durch das Halten das Bild nicht verwackle.

  • Was ist die Blende?

    Dieser Artikel ist Teil der Fotografie lernen-Reihe “Grundwissen Fotografie: Lernen, wie was funktioniert” und erklärt die Rolle der Blende beim Fotografieren. Die Blende ist einer der drei wichtigsten Parameter in der Fotografie – die anderen zwei sind Belichtungszeit und ISO – und sicherlich der vielfältigste.

    die Blende

    Die Blende (im Englischen “aperture”) kann als die Öffnung in einem Objektiv definiert werden, durch die Licht in die Kamera gelangt. Sie wird in Blendenzahlen wie 1:1,8, 1:2, 1:4,5 usw. ausgedrückt, um die Größe der Objektivöffnung widerzuspiegeln, die über das Objektiv oder die Kamera gesteuert werden kann.

    Ihre Funktionsweise ist ähnlich wie die der Regenbogenhaut/Iris im menschlichen Auge: Je nachdem, ob Du Dich in einer hellen oder dunklen Umgebungen befindest, zieht sich die Iris zusammen oder dehnt sich aus, wodurch die Größe Deiner Pupille gesteuert wird.

    In der Fotografie ist die „Pupille“ eines Objektivs die Blende. Du kannst die Blende verkleinern oder vergrößern, damit mehr oder weniger Licht auf den Kamerasensor gelangt. Die Blende kann sich öffnen und schließen, um die durchzulassende Lichtmenge zu ändern.

    Was bewirkt die Blende?

    Die Blende Deines Objektivs ist für vielerlei verantwortlich:

    • Tiefenschärfe
    • Schärfeverlust durch Beugung
    • Helligkeit / Belichtung Deiner Fotos
    • Starburst-Effekte
    • Sichtbarkeit von Staubflecken des Kamerasensors
    • Qualität des Bokeh
    • Fokusverschiebung
    • Fokussierung bei schlechten Lichtverhältnissen

    Blende und Schärfentiefe

    Die geringe Tiefenschärfe bei einer großen Blendenöffnung führt dazu, dass Vorder- und Hintergrund unscharf dargestellt sind und nur das Motiv in der Mitte scharf zu sehen ist.

    Die Schärfentiefe bezieht sich auf den Bereich zwischen dem nächsten und dem am weitesten entfernten Objekt in einem Foto, das scharf erscheint. Im Allgemeinen führt eine große Blende zu einer großen Vordergrund- und Hintergrundunschärfe, das eine geringe Schärfentiefe bedeutet. Andererseits führt eine kleine Blende zu einer geringen Unschärfe des Vordergrunds und des Hintergrunds, also zu einer großen Schärfentiefe.

    Durch die Einstellung der Blende kannst Du einerseits Deinen Bilder eine Tiefendimension hinzufügen, indem Du die Schärfentiefe steuerst. Im Extremfall liefert die Blende einen unscharfen Hintergrund mit einem schönen flachen Fokuseffekt.

    Andererseits kannst Du auch eine Blendeneinstellung auswählen, die ein vom nahe gelegenen Vordergrund bis hin zum fernen Horizont gleichermaßen scharfes Bild erzeugt.

    Wie sich die Blende auf die Schärfentiefe auswirkt

    Die Schärfentiefe ist also die Fläche des Fotos, die von vorne bis hinten scharf erscheint. Einige Fotos haben eine „dünne“ oder „flache“ Schärfentiefe, also nur einen kleinen Bereich, der scharf ist. Andere Bilder haben eine „große“ oder „tiefe“ Schärfentiefe, bei der sowohl der Vordergrund als auch der Hintergrund scharf sind.

    Porträt eines älteren Mannes mit Hut vor schwarzem Hintergrund, Senior-Fotografie, TFP-Shooting, kostenloses Fotoshooting in München, kleine Blende f/1.8. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Porträt eines älteren Mannes mit Hut vor schwarzem Hintergrund, fotografiert mit Blende 1/1.8.

    Im Bild kannst Du sehen, dass die Augenpartie des Mannes scharf erscheint, während Nase sowie Ohren unscharf sind. Die Wahl der Blende spielte hierbei eine große Rolle. Ich habe speziell eine große Blende (1/1.8) verwendet, um einen flachen Fokuseffekt zu erzielen. Damit kann ich die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das eigentliche Thema des Fotos – die Augen – zu lenken und nicht auf den hier unwichtigen Rest. Eine kleine Blende hätte das gesamte Gesicht scharf abgebildet.

    Zum besser Merken: Eine große Blende führt zu einer großen Unschärfe sowohl des Vordergrunds als auch des Hintergrunds. Dies ist häufig bei Porträts oder Nahaufnahmen von Objekten wünschenswert, bei denen Du das Motiv isolieren möchtest. Eine kleine Blende führt zu einer geringen Unschärfe, also zu einem großflächig scharfen Bild.

    Für Porträtfotos bevorzuge ich große Blenden wie 1:1,8 oder 1:2, um das Motiv vom Vordergrund und Hintergrund zu isolieren. Dadurch kann ich zum Beispiel nur die Augen des porträtierten Menschen scharf fokussieren und so in den Mittelpunkt rücken; dabei sind ablenkende Elemente unscharf und ihnen wird nicht allzu viel Aufmerksamkeit eingeräumt.

    Es ist jedoch gar nicht so, dass alle Bilder mit größtmöglicher Blende gemacht werden sollen. In der Landschafts- und Architekturfotografie arbeite ich eher mit kleinen Blenden, so ab 1:8, um möglichst viele Elemente im Vordergrund und Hintergrund gleichzeitig in den Fokus zu rücken. Beim folgenden Foto war es mir wichtig, eine möglichst große Tiefenschärfe zu erreichen, und deswegen habe ich trotz schlechter Lichtverhältnisse Blende 1/4 gewählt.

    Markusplatz, Blick auf Markusdom und Glockenturm bei Hochwasser, Venedig, Venezia, Italien.
    Markusplatz, Blick auf Markusdom und Glockenturm bei Hochwasser. Mit Blende 1/4 fotografiert.

    Der negative Effekt der Beugung

    Heißt es im Umkehrschluss, dass mit der niedrigsten Blende (zum Beispiel 1:22) die höchste Schärfe erreicht wird?

    Nein! Bilder mit extrem kleinen Blenden enthalten viel weniger Details. Durch den Effekt namens Beugung verliert das Bild viel an Schärfe!

    Die Beugung ist ganz einfach erklärt: Wenn Du eine winzige Blende verwenden, drückst du das Licht, das durch das Objektiv fällt, buchstäblich zusammen. Die Lichtstrahlen behindern sich gegenseitig, das Foto wird unscharf und Details gehen verloren.

    Doch woran erkennst Du, ob der Beugungseffekt eintritt? Es hängt von vielen Faktoren ab, wann die Beugung sichtbar wird, einschließlich der Größe des Kamerasensors und der Auflösung des Bildes. Ich persönlich gehe verringere die Blende selten über 1:16, doch den Effekt kann schon vorher sichtbar werden.

    Der Beugungseffekt ist kein Weltuntergang, aber Du solltest im Hinterkopf behalten, dass er existiert.

    Bei welcher Blende ist also alles im Fokus?

    Das hängt von der Sensorgröße Deiner Kamera, der Brennweite des Objektivs und der Nähe der Kamera zu dem zu fotografierenden Motiv ab. Im Allgemeinen bietet eine kleine Blende wie 1:8 eine ausreichende Schärfentiefe, um den größten Teil Deines Fotos scharf abzubilden. Wenn sich das Motiv jedoch zu nahe an der Kamera befindet, muss die Blendeöffnung noch weiter verringert werden oder Du gehst ein paar Schritte zurück.

    Zusammenfassend: Eine große Blende führt zu einer geringen Schärfentiefe, wodurch alles vor und hinter dem fokussierten Motiv unscharf wird und diese Teile des Fotos verschwommen erscheinen. Große Blendenöffnungen zeigen auch die Schwächen des optischen Designs der Linse, was häufig zu sichtbaren Linsenaberrationen führt. Eine kleine Blende hingegen führt zu einer großen Schärfentiefe, wodurch das Bild schärfer erscheint. Kleine Blendenöffnungen verbergen typischerweise auch Linsenaberrationen. 

    Blende und Belichtung

    Auf Punta Rossa liegt ein verlassenes Militärkomplex ("Batterie di Punta Rossa") und es bietet sehr viel zu erkunden bietet. Die Festung an der Südspitze der Insel Caprera stammt noch aus dem 19. Jahrhundert und blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein aktiver Stützpunkt wegen der strategischen Lage im nordwestlichen Mittelmeer
    Das verlassene Militärkomplex von Punta Rossa (“Batterie di Punta Rossa”) auf Caprera, La Maddalena, Sardinien. Bei schlechten Lichtverhältnisse, wie in diesem Fall, ist es ratsam, mit sehr großer Blendenöffnung zu fotografieren.

    Die Blende hat verschiedene Auswirkungen auf Deine Fotos. Eine der wichtigsten ist die Helligkeit oder Belichtung der Bilder. Wenn sich die Einstellung der Blende ändert, ändert sich die Gesamtlichtmenge, die den Kamerasensor erreicht, und damit die Helligkeit des Fotos.

    Durch Öffnen der Objektivblende gelangt mehr Licht in die Kamera, sodass Du ein ordnungsgemäß belichtetes Bild mit einer kürzeren Belichtungszeit aufnehmen kannst. Das Anhalten oder Verringern der Objektivblende verringert andererseits die Lichtmenge, die in die Kamera eintritt, was die Verwendung einer längeren Belichtungszeit erfordert, um ein Bild mit derselben Helligkeit zu erhalten.

    Eine große Blende, also eine große Öffnung, lässt viel Licht durch, was zu einem hellen Foto führt. Eine kleine Blende macht genau das Gegenteil: Das Foto wird dunkel.

    Blendeneffekt auf die Helligkeit

    In einer dunklen Umgebung, zum Beispiel nachts – möchtest Du wahrscheinlich eine große Blende auswählen, um so viel Licht wie möglich einzufangen. Dies ist übrigens der gleiche Grund, warum sich Deine Pupillen erweitern, wenn es dunkel wird.

    Aberrationen

    Blick auf den Canal Grande vom Fondaco dei Tedeschi, Venedig, Venezia, Italien.
    Blick auf den Canal Grande vom Fondaco dei Tedeschi, Venedig, Venezia, Italien. Die Aberrationen des Objektivs sind am Rand sehr gut zu sehen.

    Vielen Menschen vernachlässigen eine einfache Tatsache bezüglich der Blende: Sie blockiert buchstäblich das Licht, das von den Rändern Ihres Objektivs übertragen wird. Das heißt aber nicht, dass dies zu schwarzen Ecken in den Fotos führt, da die mittleren Bereiche eines Objektivs immer noch genug Licht an die Ränder des Kamerasensors durchlassen.

    Wenn sich die Blende schließt, wird immer mehr Licht von den Seiten des Objektivs blockiert und dieses gelangt nicht zum Kamerasensor. Nur das Licht aus dem mittleren Bereich tritt durch und führt zum Entstehen des Fotos. Das bedeutet, dass die Fotos bei immer kleineren Blendenöffnungen weniger Aberrationen aufweisen, bei großer Blendenöffnung die Aberrationen aber zunehmen!

    Zwar kann die Beugung dafür sorgen, dass einige Aberrationen abgeschwächt sind, aber das funktioniert nicht immer und manchmal wird die Verzerrung sogar verstärkt. Eine kleine Blende blockiert einfach Licht, das durch die Ränder des Objektivs gelangt ist. Wenn also die Linsenkanten nicht die Ursache des Problems sind, gibt es bei kleinerer Blende keine Verbesserung.

    Starburst-Effekte

    Starbust-/Blendensterneffekt mit sechs Sonnenstrahlen - Blick auf Manhattan, New York, vom Rockefeller Center. Auf dem Reisefotografie-Blog von Claudio Salvati Photography.
    Starbust-/Blendensterneffekt mit sechs Sonnenstrahlen – Blick auf Manhattan, New York, vom Rockefeller Center.

    Starbursts, auch Blendensterne oder Sterneffekte genannt, sind wunderschöne Elemente, die Du sicherlich schon mal auf Fotos gesehen hast: Lichtquellen werden als Sten abgebildet und verleihen dem Bild einen glamourösen Touch.

    Wie kommt der Effekt zustande? Im Wesentlichen hängt es vom Objektiv ab, denn für jedes Blendenblatt in dem Objektiv erhält die Lichtquelle einen Sonnenstrahl. Der Effekt wird nur dann sichtbar, wenn Du einen kleinen, hellen Lichtpunkt fotografierst, zum Beispiel die Sonne, und wenn diese Lichtquelle von der Blende teilweise blockiert ist. Wenn Du also einen möglichst starken Starburst wünschst, verwende eine möglichst kleine Blende.

    Außerdem sieht der Starburst-Effekt von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich aus. Es hängt alles von den Blendenlamellen ab. Wenn das Objektiv sechs Blendenlamellen hat, werden sechs Sonnenstrahlen erzeugt. Wenn das Objektiv über acht Blendenlamellen verfügt, erhältst Du acht Sonnenstrahlen. Und wenn das Objektiv neun Blendenlamellen hat, gibt es achtzehn Sonnenstrahlen.

    Moment mal, neun Lamellen und achtzehn Sonnenstrahlen?

    Ja! Bei einer ungeraden Anzahl von Blendenlamellen werden doppelt so viele Sonnenstrahlen erzeugt. Es klingt zunächst seltsam, aber der Grund ist eigentlich ganz einfach. Bei Objektiven mit einer geraden Anzahl von Blendenlamellen – und einem deswegen vollständig symmetrischen Design – überlappt die Hälfte der Sonnenstrahlen die andere Hälfte und nur die Hälfte bekommst Du als Lichtstrahl auf dem Foto zu sehen.

    Blick auf Santa Maria della Salute vom Markusplatz aus, Venezia, Venedig, Italien.
    Starbust-/Blendenstern-Effekt mit 18 Sonnenstrahlen in Venedig, Blick auf Santa Maria della Salute vom Markusplatz.
    Canon-Objektive haben häufig acht Blendenlamellen, was zu acht Sonnenstrahlen führt. Dagegen haben viele Nikon-Objektive sieben oder neun Blendenlamellen, was zu 14 bzw. 18 Sonnenstrahlen führt.

    Es kommt jedoch nicht nur auf die Anzahl der Klingen an, sondern auch auf ihre Form. Einige Blendenlamellen sind abgerundet, um eine angenehme Hintergrundunschärfe zu erzeugen, andere sind gerade. Wenn Du gute Starbursts einfangen möchtest, sind gerade Lamellen im Vergleich besser.

    Kleine Blende und unerwünschte Elemente

    Das Forum Romanum in Rom, nach einem seltenen Schneefall 2018. Auf dem Reisefotografie-Blog von Claudio Salvati Photography.
    Das Forum Romanum in Rom, nach einem seltenen Schneefall. Findest Du die Stelle, auf der eine Schneeflocke die Line bedeckt hat?

    Wenn Du mit einer kleinen Blende durch Gegenstände wie Zäune, Fenster, Pflanzen und sogar Wassertropfen auf Deinem Objektiv fotografierst, wird Dir wahrscheinlich auffallen, dass das Foto nicht so geworden ist, wie Du es Dir gewünscht hast.

    Kleine Blenden ab 1:11 aufwärts bieten nämlich eine so große Schärfentiefe, dass auch ich manchmal versehentlich Elemente einschließen, die ich nicht scharfstellen möchten! Zum Beispiel wenn ich Wasser in Bewegung fotografiere und erst nach einigen Bildern fällt mir auch, dass auf der Linse Wassertropfen sind. Diese sind dann wegen der kleinen Blende sehr deutlich auf dem Foto zu sehen und zwar als hässlicher Fleck.

    Bei großen Blenden würden diese Störelemente zwar noch sichtbar sein, aber weniger deutlich. Tritt der Fall eines störenden Elements auf, ist es besser, eine große Blende zu verwenden, z. B. 1:5,6, um das Wassertropfen so unscharf abzubilden, dass es vielleicht nicht einmal auf dem Bild erscheint.

    Oder ich wische das Tröpfchen einfach ab. Diese Lösung gilt aber nicht für alle Störelemente, wie der nächste Fall zeigt.
    Das Forum Romanum in Rom, nach einem seltenen Schneefall 2018. Auf dem Reisefotografie-Blog von Claudio Salvati Photography.
    Hier die Vergrößerung der unerwünschten Stelle. Wegen der hellen Sonne und des reflektierenden Schnees habe ich mit einer kleinen Blendenöffnung fotografiert, deswegen ist die Stelle sehr sichtbar.

    Ein weiteres Beispiel, wie kleine Blenden ungewollte Elemente in den Fokus rücken, ist, wenn etwas Staub auf dem Kamerasensor landet. Leider kann dies beim Objektivwechsel immer wieder passieren. Staubflecken auf dem Kamerasensor werden bei kleinen Blenden (zum Beispiel ab 1:16) sehr deutlich sichtbar, mit einer großen Blende können sie aber wieder verschwinden.

    Sollte Dir auffallen, dass auf Deinem Sensor Staubpartikeln liegen, kannst Du diesen entweder selbst oder vom Profi wieder staubfrei machen.

    Bokeh

    photo of yellow lantern during night
    Die verschwommene Lichter im Hintergrund sind Teil des Bokehs.

    Bokeh ist, einfach gesagt, die Qualität der Hintergrundunschärfe.

    Ausführlicher erklärt, ist Bokeh die Qualität der unscharfen Glanzlichter des vom Kameraobjektiv aufgenommenen Bildes. Die Verwendung der größten Blende des Objektivs führt normalerweise zu kreisförmigen Hintergrundlichtern mit großer Größe, während kleine Blendenöffnungen normalerweise dazu führen, dass Glanzlichter kleiner aussehen und unterschiedlich eckige Formen annehmen.

    In der Porträt- oder Tierfotografie weisen viele Fotos stark unscharfe Hintergründe auf, die aber nicht alle gleich gut aussehen. Die Qualität der Hintergrundunschärfe kannst Du über die Blendeneinstellungen steuern. Doch warum ist das so?

    Weil die Hintergrundunschärfe immer die Form der Öffnung der Blendenlamellen annimmt. Wenn die Öffnung die Form eines Herzen hat, erhältst Du eine herzförmige Hintergrundunschärfe.

    Wie das funktioniert, kannst Du hier sehen.

    In vielen Objektiven ist die Form der Öffnung der Blendenlamellen nicht immer gleich, sondern sie ändert sich je nach Blendeneinstellung. Oft weisen große Blendeneinstellungen (z. B. 1:1,8) eine fast runde Hintergrundunschärfe auf als kleine Blendeneinstellungen. Bei großen Blendenöffnungen erhalten Sie auch mehr Hintergrundunschärfe.

    Wenn Dir die Bokeh-Qualität  wichtig ist, empfehle ich Dir, gezielt nach Bokeh-Objektiven zu schauen und die Blendeneinstellungen auch ausgiebig zu testen. 

    Fokusverschiebung

    Bei einigen Objektiven – selbst wenn Du den Fokus nicht änderst, im manuellen Fokusmodus bist und den Fokusring nicht bewegst – kann passieren, dass sich der Fokuspunkt verschiebt, wenn Du kleine Blenden verwendest.

    Folgende Schritte können Dir helfen, herauszufinden, ob Dein Objektiv eine Fokusverschiebung aufweist:

    1. Stelle die Kamera auf ein Stativ und wechsle zu manuellem Fokus.
    2. Suche einen Gegenstand, der sich in die Tiefe erstreckt, zum Beispiel ein Tisch, und fokussiere dessen Mitte.
    3. Wenn Du das Bild in Live-View vergrößerst, sollten sowohl die fokussierten Details gut zu sehen sowie der Rest des Fotos deutlich unscharf sein.
    4. Schieße ein Foto mit der größten Blende des Objektivs und dann mit immer kleineren Blenden. Achte darauf, den Fokus nicht zu verändern und nicht am Fokusring zu drehen.
    5. Nun brauchst Du einen großen Monitor, auf dem Du die Fotos vergrößerst und überprüfst, ob der Fokuspunkt in allen Fotos auf der selben Stelle bleibt oder sich nach hinten verschiebt. Je mehr er sich verschiebt, desto stärker ist die Fokusverschiebung Deines Objektivs.

    Wenn das Problem auftritt, ist es nichts Schlimmes, denn Du weißt jetzt Bescheid. Für Dich bedeutet es, dass Du immer wieder den Fokus überprüfen sollst, wenn Du im manuellen Fokusmodus bist und die Blendeneinstellungen veränderst, vor allem bei großen Blendenöffnungen. (Bei kleinen Blendenöffnungen ist die Tiefenschärfe oft groß genug, dass die Fokusverschiebung nicht sichtbar wird.)

    Blende und Autofokus

    Das Autofokus-System Deiner Kamera funktioniert nur dann gut, wenn es viel Licht empfängt.

    Normalerweise ist dies kein Problem. Selbst wenn Du eine kleine Blende einstellst, verwendet die Kamera zum Fokussieren die größte Blende und erst beim Auslösen wird die Blendenöffnung auf Deine Einstellung angepasst.

    Doch nicht immer ist die größte Blende groß genug. Zoom- und Teleobjektive haben als größte Blende vielleicht 1:4,5, manchmal auch 1:5,6. Oder dein Objektiv hat eine manuelle Blendeneinstellung und Du belässt diese auf einem hohen Wert wie 1:8. Vor allem günstigere Objektive haben relativ hohe Werte als größte Blendenöffnung. Das führt dazu, dass bei schlechten Lichtverhältnissen der Autofokus nicht gut arbeiten kann.

    Dieser Effekt ist nicht von großer Bedeutung, wenn viel Licht scheint, aber im Dunkeln kann er durchaus sehr wichtig werden, wenn Du Dich auf den Autofokus verlässt.

    Fazit

    Die Blende (im Englischen "aperture") kann als die Öffnung in einem Objektiv definiert werden, durch die Licht in die Kamera gelangt. Sie wird in Blendenzahlen wie 1: 1,8, 1:2, 1:4,5 usw. ausgedrückt, um die Größe der Objektivöffnung auszudrücken, die über das Objektiv oder die Kamera gesteuert werden kann. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Geschlossene Blendenöffnung.

    Die Blende ist eindeutig eine, wenn nicht die entscheidende Einstellung in der Fotografie. Die Blende wirkt sich auf verschiedene Aspekte Deines Fotos aus, so dass Du mit der richtigen Einstellung das Beste auf dem Bild rausholen kannst. Welche Einstellung die richtige ist, wirst du durch etwas Übung ziemlich schnell herausbekommen.

    Eine kleine Blende macht die Fotos dunkler, erhöht die Schärfentiefe, erhöht die Beugung, verringert den Effekt der meisten Linsenaberrationen und verstärkt den Starbursts-Effekt. Eine große Blende bewirkt das Gegenteil.

    Ich fotografiere die meiste Zeit im Aperture priority-Modus, abgekürzt A oder Av und auf Deutsch  Blendenvorwahl, damit ich immer volle Kontrolle über die Blende habe und die Kamera automatisch die Belichtungszeit meiner Blendeneinstellung anpasst. (Mehr zum Kameramodus in diesem Blogartikel.) 

    Das scheint jetzt vielleicht ziemlich kompliziert zu sein, aber bald wirst Du nicht mehr darüber nachdenken müssen. Für Starbust-Effekte ist eine sehr niedrige Blende nötig (zum Beispiel 1:16), bei schlechten Lichtverhältnisse und bei Porträts möchte ich eher eine große, eventuell die größtmögliche Blende einstellen (zum Beispiel 1:1,8) und in der Landschaftsfotografie – oder wann immer sowohl Vordergrund als auch Hintergrund scharf sein sollen – möchte ich eine mittlere Blendenöffnung haben (zum Beispiel 1:8).

    Welche Blende eignet sich am besten für die Porträtfotografie?

    Wenn Du ein Bild mit geringer Schärfentiefe erstellen möchtest, bei dem das eigentliche Motiv scharf erscheint, während der Vordergrund und der Hintergrund verschwommen sind, kannst Du eine sehr große Blende wie 1:1,8 oder 1:2,8 verwenden.

    Welche Blende eignet sich am besten für die Landschaftsfotografie?

    Wenn Du gerne Landschaften tagsüber fotografierst, möchtest Du wahrscheinlich eine möglichst große Schärfentiefe haben, damit sowohl Vordergrund als auch Hintergrund so scharf wie möglich abgelichtet werden. In solchen Fällen ist es am besten, eine kleine Blenden wie 1:8 oder 1:11 auszuwählen.

    Nachts kannst Du dann eine große Blende auswählen, damit Deine Belichtungszeit nicht zu hoch wird.

    Ist es besser, eine höhere oder niedrigere Blende zu haben?

    Es hängt wirklich davon ab, was Du fotografieren möchtest und wie das Foto aussehen soll. Niedrigere Blenden wie 1:1,8 lassen mehr Licht durch die Linse und erzeugen eine geringe Schärfentiefe. Im Vergleich dazu lassen kleinere Blendeneinstellungen wie 1:8 weniger Licht durch und erzeugen gleichzeitig eine große Schärfentiefe.

  • Fotografie lernen leicht gemacht – Teil 1

    Wenn Du gerade erst mit dem Fotografieren beginnst und nicht weißt, wo Du anfangen sollst, oder wenn Du schon eine Weile mit Deiner Kamera fotografierst und Dein Wissen erweitern möchtest, bist Du hier genau richtig.

    Das in diesem Artikel zusammengestellte Material hilft Dir nicht nur beim Aufbau Deiner fotografischen Kenntnisse, sondern auch bei Deiner Weiterentwicklung als (Hobby-)Fotograf. Auf dieser Seite findest Du wertvolle Tipps und Techniken, um Deine Fähigkeiten zu verbessern; von grundlegendem Fotografie-Wissen für Anfänger bis hin zu fortgeschrittenen Techniken und Tutorials, alles, was Dir helfen kann, wird hier besprochen.

    Fotografie Lernen: wie was funktioniert

    Was ist eine DSLR?

    Was ist eine spiegellose Kamera?

    Wie funktioniert ein Kamerasensor?

    Was ist die Belichtungszeit?

    Was ist Blende?

    Was ist der ISO-Wert in der Fotografie?

    belichtungsdreieck: belichtungszeit, blende, iso

    Was benutze ich welchen Kameramodus?

    Diese Blogartikel aus der Reihe "Fotografie lernen" helfen Dir, die Grundlagen zu beherrschen und mehr aus Deinen Fotos rauszuholen. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Diese Blogartikel aus der Reihe “Fotografie lernen” helfen Dir, die Grundlagen zu beherrschen und mehr aus Deinen Fotos rauszuholen.

    Folgt:

    Mess- und Messmodi

    Was ist eine Belichtungskorrektur?

    Autofokus-Modi erklärt

    Allgemeine Kameraeinstellungen

    So machst Du scharfe Fotos

  • Was ist die Belichtungszeit und warum ist sie wichtig?

    Dieser Artikel ist Teil der Fotografie lernen-Reihe “Grundwissen Fotografie: Lernen, wie was funktioniert” und erklärt die Rolle der Belichtungszeit beim Fotografieren.

    Die Belichtungszeit, auch als Verschlusszeit oder Belichtungsdauer bekannt, ist für zwei bestimmte Aspekte der Fotografie wichtig: Du kannst einerseits darüber die Helligkeit Deines Fotos regulieren, andererseits auch Dramatik und Dynamik durch Einfrieren oder Verwischen von Bewegungen erzeugen. Ich möchte Dir in diesem Artikel erklären, was die Belichtungszeit ist, wobei sie eine Rolle spielt und was Du bei der Einstellung beachten könntest.

    Was ist die Belichtungszeit?

    Marienkäfer im Schnee im Zillertal.
    Marienkäfer im Schnee im Zillertal. Da ich eine große Blendenöffnung für eine dünne Tiefenschärfe ausgewählt hatte und der Schnee die Mittagssonne stark reflektierte, lag die Belichtungszeit bei 1/1.000 Sek.

    Unsere Digitalkameras bieten uns hauptsächlich drei Parameter, an denen wir schrauben können, um das gewünschte fotografische Ergebnis zu erreichen: ISO, Blende und Belichtungszeit.

    Die Belichtungszeit gibt an, wie lange der Kameraverschluss geöffnet bleibt und so Licht auf den Bildsensor fällt. Im Wesentlichen hängt davon ab, wie lange Deine Kamera ein Foto aufnimmt. Bei dem Kameraverschluss handelt es sich um eine Art Vorhang vor dem Kamerasensor, der geschlossen bleibt, bis Du auf den Auslöser drückst, um ein Foto aufzunehmen.

    Bei der Auslösung öffnet sich der Verschluss und der Kamerasensor wird vollständig dem Licht ausgesetzt, das durch das Objektiv hindurch fällt. Nachdem für eine (automatisch oder manuell) eingestellte Dauer das Licht auf den Sensor gefallen ist, schließt der Verschluss und verhindert, dass weiteres Licht den Sensor erreicht.

    Die Dauer des Lichteinfalls hat einige wichtigen Auswirkungen auf Deine Fotos, die ich Dir im Folgenden präsentiere.

    Lange Belichtungszeit

    Langzeitbelichtung (1/3 Sek.) eines Wasserfalls. Dabei kam mir ein Stativ zu Hilfe, damit ich das Bild nicht verwackle und der Wasserfluss etwas verschwommen aussieht, während die statischen Elemente scharf bleiben.

    Wenn Du eine lange Belichtungszeit verwendest, wird Dein Sensor über einen langen Zeitraum belichtet. Die erste wichtige Folge davon ist Bewegungsunschärfe: Sich bewegende Motive erscheinen entlang der Bewegungsrichtung unscharf auf dem Foto.

    Dieser Effekt wird zum Beispiel in der Werbung für Autos und Motorräder verwendet, bei der dem Betrachter ein Gefühl von Geschwindigkeit und Bewegung vermittelt wird, indem die Drehung der Räder absichtlich verwischt erscheint.

    In der Landschaftsfotografie werden lange Verschlusszeiten absichtlich verwendet, um den Wasserstrom von Flüssen und Wasserfällen durch die Unschärfe hervorzuheben und die statischen Objekte weiter scharf abzubilden.

    Lange Belichtungszeiten werden auch verwendet, um Sterne oder andere Objekte nachts oder in dunklen Umgebungen mit einem Stativ zu fotografieren, da die lange Verschlusszeit dafür sorgt, dass viel Licht den Bildsensor erreicht.

    Kurze Belichtungszeit

    Eine sehr kurze Verschlusszeit (1/1.000 Sek.) bewirkt, dass Wasserspritzer wie eingefroren aussehen.

    Andererseits kann die Belichtungszeit auch verwendet werden, um genau das Gegenteil zu bewirken und die Bewegung des abgelichteten Motiv einzufrieren. Wenn Du eine besonders kurze Belichtungsdauer verwenden, kannst Du das Gefühl von Bewegungen auch von sich schnell bewegenden Objekten wie fliegenden Vögeln oder vorbeifahrenden Autos verbannen.

    Wenn Du beim Fotografieren von Wasser eine sehr kurze Belichtungszeit verwendest, hängt jedes Tröpfchen Wasser in der Luft, was wir mit unseren Augen möglicherweise gar nicht wahrnehmen können. Das Wasser sieht dann so aus, als wäre es genau so wie auf dem Foto eingefroren.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass kurze Verschlusszeiten die Bewegungen einfrieren, während lange Belichtungszeiten beim Fotografieren von sich bewegenden Objekten einen Bewegungseffekt erzeugen.

    Wie wird die Belichtungszeit gemessen?

    Belichtungszeit/Verschlusszeit (shutter speed). Wenn Du eine lange Belichtungszeit verwenden, wird Dein Sensor über einen langen Zeitraum belichtet. Die erste wichtige Folge davon ist Bewegungsunschärfe: Wenn Deine Belichtungszeit lang ist, erscheinen sich bewegende Motive entlang der Bewegungsrichtung unscharf auf dem Foto. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Für dieses Foto habe ich eine sehr kleine Blende gewählt und eine lange Belichtungszeit (30 Sek.), um möglichst viele Lichtstreifen zu sammeln.

    Die Belichtungszeit wird typischerweise in Bruchteilen einer Sekunde gemessen, solange sie unter einer Sekunde liegt. Zum Beispiel bedeutet 1/2 eine halbe Sekunde, während 1/250 eine Zweihundertfünfzigstel Sekunde (vier Millisekunden) bedeutet.

    Die meisten modernen DSLRs und spiegellosen Kameras können Verschlusszeiten von 1/4000 aufweisen, einige sogar 1/8000 oder noch weniger. Die längste verfügbare Verschlusszeit bei den meisten DSLRs oder spiegellosen Kameras beträgt normalerweise 30 Sekunden.

    Bei Bedarf kannst Du eine längere Belichtungszeit einstellen, indem Du den Bulb-Modus und einen externen Fernauslöser verwendest.

    Was hat die Verschlusszeit mit der Helligkeit des Fotos zu tun?

    Belichtungszeit/Verschlusszeit (shutter speed). Wenn Du eine lange Belichtungszeit verwenden, wird Dein Sensor über einen langen Zeitraum belichtet. Die erste wichtige Folge davon ist Bewegungsunschärfe: Wenn Deine Belichtungszeit lang ist, erscheinen sich bewegende Motive entlang der Bewegungsrichtung unscharf auf dem Foto. Auf dem Reisefotografieblog von Claudio Salvati Photography.
    Dieses Bild entstand in einer kalten Oktobernacht mit Hilfe eines Stativs. Um das Foto lange genug zu belichten, lag die Verschlusszeit bei 25 Sekunden.

    Der andere wichtige Effekt der Belichtungszeit ist die Auswirkung auf die Helligkeit eines Bildes. Wenn Du eine lange Verschlusszeit verwendest, sammelt der Kamerasensor viel Licht und das resultierende Foto ist ziemlich hell. Durch die Verwendung einer kurzen Belichtungsdauer wird der Kamerasensor nur kurz dem Licht ausgesetzt, was zu einem dunkleren Foto führt.

    Die Belichtungszeit ist jedoch nicht der einzige Parameter, der die Helligkeit eines Bildes beeinflusst. Auch Blende, ISO und die tatsächliche Helligkeit der Szene – ist es ein sonniger Sommertag oder eine mondlose Nacht? – spielen eine große Rolle. Du kannst also die Verschlusszeit mit einer gewissen Flexibilität einstellen, solange Du das Zusammenspiel der anderen Parameter in Deinen Einstellungen berücksichtigst.

    Die Belichtungszeit kann ein wichtiges Werkzeug sein, um für ein Foto die richtige Helligkeit einzustellen. An einem sonnigen Tag musst Du möglicherweise eine kurze Belichtungsdauer verwenden, sonst ist Dein Foto überbelichtet. Wenn es Nacht ist, können eine lange Verschlusszeit und ein Stativ erforderlich sein, um ein zu dunkles Bild zu vermeiden.

    Fotografie lernen mit Claudio Salvati Photography; richtige Verschlusszeit, optimale Belichtungsdauer, brennweite.

  • Was ist eine DSLR-Kamera?

    Dieser Artikel ist Teil der Fotografie lernen-Reihe “Grundwissen Fotografie: Lernen, wie was funktioniert” und erklärt die Funktionsweise einer DSLR-Kamera.

    Das Akronym DSLR steht für “Digital Single Lens Reflex” (auf Deutsch: Spiegelreflexkameras mit digitalem Aufnahme-Sensor). Eine DSLR ist also eine digitale Spiegelreflexkameras: Mithilfe eines Spiegelmechanismus reflektiert sie das Licht von dem Kameraobjektiv zu einem optischen Sucher und beim Fotografieren lässt sie das Licht vollständig auf den digitalen Bildsensor gelangen, indem sie den Spiegel hochklappt.

    Der Sucher ist ein Okular auf der Rückseite der Kamera, durch das der Fotograf schaut, um zu sehen, was er aufnimmt.

    Spiegelreflexkameras gibt es seit dem 19. Jahrhundert, die ersten kommerziellen digitalen Spiegelreflexkamera mit Bildsensor erschienen erst 1991. Im Gegensatz zu Point-and-Shoot- und Smartphonekameras verwenden digitale Spiegelreflexkameras normalerweise Wechselobjektive.

    Woraus besteht eine DSLR-Kamera?

    Folgendes Bild ist ein Querschnitt einer Spiegelreflexkamera (Bild mit freundlicher Genehmigung von Wikipedia):

    1. Linsen des Objektivs
    2. Schräg stehender Schwingspiegel, der beim Auslösen nach oben geklappt wird
    3. Verschluss, der sich beim Auslösen öffnet
    4. Digitaler Bildsensor bzw. analoger Film
    5. Einstellscheibe des Suchersystems
    6. Sammellinse/Feldlinse
    7. Dachkantpentaprisma
    8. Sucher

    en:User:Cburnett – Own work with Inkscape based on Image:Slr-cross-section.png, CC BY-SA 3.0.

    Wie funktioniert eine DSLR-Kamera?

    Schaust Du durch einen DSLR-Sucher bzw. das Okular auf der Rückseite der Kamera, wird alles, was Du siehst, durch das an der Kamera angebrachte Objektiv geleitet. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Du genau das siehst, was Du aufnimmst.

    Das Licht des Motivs, das Du fotografieren möchtest, gelangt durch das Objektiv (1) auf den Schwingspiegel (2), der sich in einem Winkel von 45 Grad in der Kamerakammer befindet und das Licht dann vertikal an das Dachkantpentaprisma (7) weiterleitet. Das Dachkantpentaprisma leitet das Licht so um, dass es richtigrum den Sucher (8) und somit Dein Auge erreicht.

    Wenn Du auf den Auslöser drückst, um ein Bild aufnehmen, schwingt der Schwingspiegel (2) nach oben, blockiert die Lichtumleitung zum Sucher und lässt das Licht direkt zum hinteren Teil der Kamerakammer durch. Der Verschluss (3) öffnet sich und das Licht erreicht den Bildsensor bzw. den Film (4). Der Verschluss (3) bleibt so lange geöffnet, bis der Bildsensor (4) das Bild aufzeichnet. Dann schließt er sich und der Schwingspiegel fällt auf den 45-Grad-Winkel zurück. Das Licht wird nun wieder in den Sucher gelenkt.

    Bei einer DSLR-Kamera wird nun das Licht, das auf den Sensor gefallen ist, in ein digitales Bild verarbeitet: Der Kameraprozessor nimmt die Informationen vom Bildsensor auf, konvertiert sie in ein geeignetes Format (zum Beispiel in RAW oder JPEG) und speichert sie dann auf eine Speicherkarte. Der gesamte Vorgang dauert wenig, je nachdem, welche Bildauflösung eingestellt ist, wie hoch die Schreibgeschwindigkeit des Speichermediums ist und ob dem ersten Foto gleich ein weiteres folgt.

    person holding black canon dslr camera shallow focus photography

    Für mehr und vor allem tiefergehende Informationen ist der Wikipedia-Eintrag zu DSLR-Kameras sehr zu empfehlen!

  • Was ist eine spiegellose Kamera?

    Dieser Artikel ist Teil der Fotografie lernen-Reihe “Grundwissen Fotografie: Lernen, wie was funktioniert” und erklärt, wie eine spiegellose Kamera aufgebaut ist und wie sie funktioniert.

    Eine DSLR-Kamera, wie der Name schon verrät, verwendet einen Spiegelmechanismus, um entweder Licht in einen optischen Sucher zu reflektieren oder es direkt zum Kamerasensor durchzulassen. Dagegen fehlt einer spiegellosen Kamera (im Englischen “Mirrorless Camera”) ein solcher Spiegelmechanismus vollständig. Das bedeutet, dass das Licht durch das Objektiv immer auf den Bildsensor fällt.

    Da das Licht nicht mehr zu einem optischen Sucher (OVF, Englisch für “Optical Viewfinder”) reflektiert wird, sind spiegellose Kameras in der Regel auf elektronische Sucher (EVF, “Electronic Viewfinder”) und LCDs (“Liquid Crystal Display”) angewiesen, die im Wesentlichen ein digitales Bild von dem projizieren, was der Bildsensor sieht.

    Aufgrund des Fehlens des Spiegelmechanismus und eines optischen Suchers sind spiegellose Kameras im Vergleich zu DSLR-Kameras einfacher, leichter und kleiner gebaut.

    Auf Wikipedia findest Du eine gute Übersicht aktueller spiegelloser Kameras.

    Woraus besteht eine spiegellose Kamera?

    Folgende Abbildung zeigt den Unterschied zwischen einer DSLR- und einer spiegellosen Kamera:

    Aufbau und Vergleich Baukomponente: DSLR-Kamera und Spiegellose Kamera

    Wie Du sehen kannst, verfügt eine DLSR- im Vergleich zu einer spiegellosen Kamera über viel mehr Komponenten: Neben dem komplexen Spiegelmechanismus (2) gibt es die Einstellscheibe des Suchersystems (5), eine Sammellinse/Feldlinse (6), das Dachkantpentaprisma (7) und weitere Bauelemente, die in einer spiegellosen Kamera nicht mehr benötigt werden.

    Wie funktioniert eine spiegellose Kamera?

    Eine spiegellose Kamera ist mechanisch viel simpler gebaut als eine Spiegelreflex: Licht tritt durch das Objektiv (1) direkt auf den Bildsensor (4) und der elektronische Sucher (9) bildet das Bild auf dem Sensor nach. Im Normalbetrieb bleibt der mechanische Kameraverschluss (3) geöffnet und wird normalerweise nur am Ende der Belichtung geschlossen.

    Aufgrund des Fehlens von Spiegel (2) und Dachkantpentaprisma (7) kann das Auflagemaß bei spiegellosen Kameras erheblich verkürzt werden. Aus diesem Grund sind die meisten spiegellosen Kameragehäuse im Vergleich zu DSLRs dünner und leichter.

    Das Auflagemaß (auch Flanschbrennweite) ist ein Begriff aus der technischen Optik. Es definiert den Abstand zwischen der Bildebene, also Film bzw. Bildsensor, und der Befestigungsfläche des Objektivs.
    Eine spiegellose Kamera ist mechanisch viel simpler gebaut als eine Spiegelreflex: Licht tritt durch das Objektiv (1) direkt auf den Bildsensor (4) und der elektronische Sucher (9) bildet das Bild auf dem Sensor nach. Im Normalbetrieb bleibt der mechanische Kameraverschluss (3) geöffnet und wird normalerweise nur am Ende der Belichtung geschlossen. Auf dem Reisefotografie-Blog von Claudio Salvati Photography.
    Spiegellose Kamera mit Objektiven.

    Warum eine spiegellose Kamera?

    spiegellose Kamera: Vorteile gegenüber DSLR-Kameras

    Zum Einen sind Gewicht und Größe der Kamera geringer, so dass die Kamera zum Beispiel bei Tageswanderungen oder Fahrradreisen weniger Platz und Gewicht in Anspruch nimmt als eine DSLR.

    Zum Anderen bringt die Verwendung eines elektronischen Suchers einige Vorteile: Da alles direkt vom Bildsensor dupliziert wird, können Kameraeinstellungen wie Weißabgleich, Sättigung und Kontrast direkt über den Sucher angezeigt und bei Bedarf justiert werden. Außerdem können zusätzliche Informationen im Sucher angezeigt werden, einschließlich Live-Histogramme, sodass Du als Fotograf genau sehen kannst, wie das Ergebnis aussehen wird.

    Doch das ist nicht alles: Es ist auch möglich, im Sucher ein Motiv zu vergrößern, um den Fokus zu überprüfen, Fokus-Peaking wird möglich, automatische Gesichts- oder gar Augenerkennung und viele andere Funktionen, um sicherzustellen, dass der Fokus bei jedem Foto extrem präzise sitzt.

    Die Nachteile einer spiegellosen Kamera

    Der erste Nachteil ist technischer Natur: Der elektronische Sucher funktioniert nur, wenn die Kamera eingeschaltet ist und der Bildsensor mit Strom versorgt wird. Das heißt, dass die eingeschaltete Kamera ziemlich viel Akkuleistung benötigt. (Allerdings auch eine DSLR-Kamera mit eingeschaltetem Live-View ist einer kurzen Akkulaufzeit unterworfen.)

    Der elektronische Sucher kann auf eine Reihe von Schwierigkeiten treffen und so Verzögerungen oder Verzerrungen bei der Bildwiedergabe aufweisen. Der Autofokus kann zwar sehr schnell und genau sein, jedoch bei sich schnell bewegenden Motiven, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen, sehr lange brauchen, bis er einen geeigneten Punkt für die Fokussierung gefunden hat. Eventuell hat bis dahin das zu fotografierende Tier schon die Flucht ergriffen oder der Wagen beim Autorennen bereits hinter der Ziellinie.

  • Das sind meine 5 wichtigsten Tipps fürs Fotografieren

    In diesem Artikel findest Du die fünf wichtigsten Tipps, die ich selbst befolge und jeder Fotografin und jedem Fotografen auf Reisen ans Herz legen möchte. Damit kannst du schneller und besser fotografieren lernen, ohne viel Zeit und Geduld zu verlieren. Glaub mir, sie zahlen sich aus und tragen dazu bei, dass Deine Bilder richtig schön und die Eindrücke Deines Trips so stark wie möglich eingefangen werden.

    Wenn Du übers Fotografieren Lernen etwas suchst, helfen Dir die Blogartikeln aus der Reihe “Fotografie lernen”, die Grundlagen zu beherrschen und mehr aus Deinen Fotos rauszuholen.

    Fotografiere in RAW

    Diese Empfehlung ist für alle Bereiche der Fotografie gültig, nicht nur beim Reisen. RAW ist ein Dateiformat, in dem alle Informationen abgespeichert werden, die der Sensor Deiner Kamera aufnimmt. Das ermöglicht Fotos hoher Qualität, ohne Komprimierung wie bei JPEG, und die Bilder können leichter und ohne Datenverlust bearbeitet werden. RAW-Formate sind zum Beispiel .CR2 für Canon und .NEF für Nikon.

    Bei vielen neuen Kameramodellen ist es inzwischen möglich, Fotos sowohl in JPEG- als auch in RAW-Format abzuspeichern. Doch weil die hohe Qualität der Fotos ihren Preis bei der Dateigröße hat, rate ich davon ab, beides gleichzeitig zu wollen: Das verlangsamt Deine Kamera, und nach der Bearbeitung der RAW-Bilder kannst Du selbst entscheiden, in welchem Format Du sie haben möchtest.

    Fotografie Tipps Nr. 1: in RAW-Format fotografieren, RAW Fotos bearbeiten.
    So sieht die Menüauswahl bei meiner Canon 5Ds aus.

    Die Option, Fotos in RAW abzuspeichern, ist womöglich auf Deiner Kamera nicht per Default aktiviert. Da die Größe der einzelnen RAW-Bilder der der Kameraauflösung entspricht (24 Megapixel Auflösung entsprechen dann einem RAW-Bild von ca. 24 MB), ist es ratsam, immer genügend (leere) Speicherkarten mit dir zu tragen. Ich persönlich nutze seit Jahren SanDisk Extreme Pro-Karten und war bisher immer höchstzufrieden damit.

    Nutze die goldene und die blaue Stunde

    Eine der einfachsten Möglichkeiten, Deine Reisebilder zu verbessern, besteht darin, kurz vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang an Deinem bevorzugten Fotospot zu sein und das Licht zu Deinen Gunsten zu nutzen. Da die Sonne nicht in ihrer vollen Helligkeit zu sehen ist, können Fotos entstehen, die sich der warmen, orangenen Strahlen eines Sonnenaufgangs bedienen oder in der blauen und melancholischen Atmosphäre kurz nach Sonnenuntergang sehr bunt erscheinen.

    Möchte man dabei die Sonne mit fotografieren, ist es wichtig, den Verlauf ihrer Bahn zu kennen und darauf zu achten, dass die Sicht auf den Sonnenauf- oder Sonnenuntergang nicht durch Gebäude, Berge, herumstreunende Wolken oder Dunstschichten behindert wird.

    Während eines viertägigen Aufenthalt in Grado, Italien, war es mir nicht möglich, den Sonnenuntergang zu fotografieren, weil immer zwei kleine Wolken dort am Horizont waren, wo die Sonne untergegangen ist. Sehr ärgerlich...
    Fotografie Tipps Nr. 2: NUTZE DIE GOLDENE UND DIE BLAUE STUNDE
Bild: Hafen von Portoroz, Slowenien
    Hafen von Portoroz, Slowenien, bei Sonnenaufgang.

    Motivauswahl

    Ein Merkmal der Reisefotografie ist, dass Motive oft statisch sind oder sich so bewegen, dass wir ihre Geschwindigkeit und Richtung vorhersagen können, z.B. ein Bus, der eine Haltestelle anfährt, wird bald darauf wieder losfahren, erst langsam, dann schneller. Dies ist ein mächtiger Vorteil für dich: Du hast nämlich Zeit, über das tatsächliche Foto nachzudenken.

    Nicht nur das Motiv, sondern auch die Perspektive, die Komposition, eventuell die Objektiv-Auswahl, Blende und Verschlusszeit können bedacht werden. Du kannst dir um die Geschichte Gedanken machen, die Du erzählen willst. Storytelling ist das, was Deine Fotos zu etwas Außergewöhnliches machen wird.

    Fotografie Tipps Nr. 3: Das Motiv bewusst auswählen

    Vorbereitet sein

    Es kann durchaus aufregend sein, ohne Ortskenntnisse in einem fremden Ort zu sein. Dennoch fand ich es immer hilfreich, bei Buchung der Unterkünfte zu wissen, welche Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind, wo sich die pittoresken Stadtviertel befinden oder wie die Öffnungszeiten der nahgelegenen Märkte, Kirchen usw. lauten. Manchmal habe ich die Wahl der Unterkünfte von der Nähe besonderer Orte, die ich unbedingt fotografieren wollte, abhängig gemacht. Meistens lässt sich auf Instagram leicht herausfinden, welche die beliebtesten Hotspots sind, und Google ist auch eine große Hilfe. Das erleichtert dir die Entscheidung, welche Ausrüstung Du mitnehmen möchtest: Stativ, Blitzlicht, Gimbal, GoPro, Drohne usw.

    Fotografie Tipps Nr. 4: Vorbereitet sein

    Rechtliche Lage

    Der fünfte Punkt ist vielleicht der unspektakulärste und wohl trotzdem der wichtigste: Jedes Land hat seine eigenen Gesetze, was Datenschutz und die Rechte der zu fotografierende Gegenstände/Gebäude angeht. Deswegen ist es wichtig, sich zumindest mit den Hauptaspekten davon auseinanderzusetzen, besonders wenn Du dich in Ecken weit außerhalb des europäischen (Kultur-)Kreises bewegst: Manche Museen, einige religiöse Orte und militärische Anlagen dürfen eventuell nicht fotografiert werden.

    Wenn Du Aufnahmen von Menschen nehmen möchtest, ist es ratsam, immer vorher zu fragen, ob das in Ordnung ist, und ein Nein sollte immer akzeptiert werden. Meine Erfahrung ist, dass die angesprochenen Menschen sich normalerweise freuen und dann auch vor Deiner Kamera gerne stehen werden.

    In Europa sind die Verbote normalerweise immer gut gekennzeichnet, sei es in Florenz vor dem David von Michelangelo, in der Sixtinischen Kapelle in Rom oder im Tower of London. Andere wiederum nicht: Fotos vom Eiffelturm bei Nacht unter eingeschalteter Beleuchtung dürfen nicht ohne Erlaubnis der „Société d’Exploitation de la Tour Eiffel“ veröffentlicht oder sogar gemacht werden.

    Fotografie Tipps Nr. 5: Rechtliche Lage kennen und sich an Gesetze halten 

Bild: Tour Eiffel in Paris, Frankreich.
    Tour Eiffel in Paris, Frankreich, von der Seine aus gehesen.