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  • Die Costa Smeralda auf Sardinien: Von Arzachena bis nach Olbia

    Mit der Costa Smeralda auf Sardinien verbinde ich jede Menge Kindheitserinnerungen: Etliche Quallenstiche, einen aufgeschnittenen Zeh, der von meinem Onkel genäht wurde, unzählige Sandburgen und erstaunlich wenige Sonnenbrände.

    Mehrere Großtanten und Großonkel zogen von der Nähe von Neapel in den Norden Sardiniens, schon lange vor meiner Zeit, und jedes Jahr im Sommer – während der langen italienischen Schulsommerferien – fuhr die Familie Salvati nach Sardinien und wir besuchten die exotischen “Insulaner” regelmäßig, so dass ich in Summe mehrere Jahre auf Sardinien verbracht habe.

    Ein romantischer Sonnenuntergang bei Santa Teresa di Gallura, Sardinien, Italien. Im Hintergrund sind die Berge Korsikas, Frankreich, noch zu sehen.
    Ein romantischer Sonnenuntergang bei der Costa Smeralda auf Sardinien.

    Inzwischen bin ich nicht nur im Sommer, sondern auch zu den anderen Jahreszeiten auf Sardinien und an den seltenen Regentagen – ja, manchmal regnet es auch dort – besuche ich die Stadtbibliothek von Santa Teresa und so einiges über die Entwicklung der Region und der Entstehung des Touristenmagnets “Costa Smeralda” auf Sardinien, das sich im nordöstlichen Teils der Insel erstreckt, erfahren.

    Dass die Costa Smeralda sehr beliebt ist, ist einerseits gut nachvollziehbar: Die karibisch anmutenden Strände heißen Touristen aus aller Welt gleichermaßen willkommen. Andererseits frage ich mich, was hat dazu geführt, dass Touristen und Promis vor allem im Norden der Insel sehen und sich sehen lassen?

    Wo befindet sich die Costa Smeralda auf Sardinien überhaupt?

    Die Costa Smeralda (“Monti di Mola” auf Gallurisch, dem heimischen Dialekt) ist ein Küstenabschnitt der Gallura im Nordosten Sardiniens, der sich über 55 Kilometer erstreckt. Der Begriff bezeichnet den Küstenabschnitt von Arzachena in der Provinz Sassari, der sich von Capo Ferro – nördlich von Porto Cervo – bis zum Golf von Cugnana, am Anfang der Gemeinde Olbia, in der Nähe des Strandes Rena Bianca Portisco erstreckt.

    Das Gebiet war bis zur Gründung des Konsortiums Costa Smeralda – dazu später mehr – weitgehend unbewohnt

    Ein romantischer Sonnenuntergang an der Costa Smeralda auf Sardinien, Italien.

    Die Entstehung der Costa Smeralda auf Sardinien

    Angefangen hat alles mit dem Prinzen Karim Aga Khan IV, so wie bei einem klassischen Märchen. Der Prinz, der gleichzeitig auch der religiöse Führer der ismailitischen Nizariten ,einer muslimischen Gemeinschaft, ist, war von der natürlichen Schönheit Sardiniens beeindruckt: Obwohl sowohl sein Vater als auch sein Großvater den Süden Frankreichs als Rückzugsort auserkoren hatten, hatte Sardinien ihn damals stark beeindruckt. Er fühlte sich dort frei und benahm sich wie ein Entdecker, der nicht nur den Ort bewunderte, sondern auch versuchte, die Sitten und Gebräuche der Einheimischen zu verstehen.

    Er war der Prinz, der das Konsortium Costa Smeralda wollte, das dann am 14. März 1962 in Olbia offiziell gegründet wurde. Ungefähr 1.800 Hektar Land wurden ursprünglich von den alten an die neuen Besitzer übergeben, die alle bereit waren, große Summen in die Schönheit der Gallura zu investieren.

    Der Hafen von Porto Cervo auf Sardinien
    Der Hafen von Porto Cervo auf Sardinien

    Sechs waren die Namen der Gründungspartner: Karim Aga Khan IV, Patrick Guinnes, Felix Bigio, John Duncan Miller, André Ardoin und René Podbielski. Das gemeinnützige Konsortium wurde mit einem sehr präzisen Ziel gegründet: die städtebauliche, territoriale und architektonische Entwicklung des Ortes zu kontrollieren und zu steuern und sich so jeder Art von Bauspekulation entgegenzustellen.

    Aus diesem Grund wurde auch die Einsetzung eines angesehenen Architekturausschusses beschlossen, der mit der Ausarbeitung strenger Bebauungspläne und der ständigen architektonischen Kontrolle des Gebietes beauftragt wurde. Ziel war es, das vorhandene natürliche Erbe zu bewahren und einen Stil zu entwickeln, der die natürliche Schönheit mit Elementen der lokalen Bautradition verbindet.

    Die Costa Smeralda ist der teuerste Ort in Europa. Die Hauspreise erreichen bis zu 300.000 Euro pro Quadratmeter!

    Inzwischen ist die Costa Smeralda alles andere als unbewohnt, und die Wohnarchitektur, die einen authentischen und ursprünglichen Charme aufweist, ist in Wirklichkeit das Resultat der Zusammenarbeit vier Architekten, Luigi Vietti, Jacques Couëlle, Michele Busiri Vici und Antonio Simon Mossa, die sie für den Bau des Dorfes Porto Cervo entwarfen und inzwischen als maßgebend ist für viele Neubauten auf ganz Sardinien.

    Die Schwierigkeit war, in den wenigen bestehenden und spärlich vorhandenen Gebäuden, die selten zu einem Dorf aggregiert waren, ein architektonisches Grundkonzept zu identifizieren und dieses für das Vorhaben des Prinzen Karim Aga Khan IV und seiner Geschäftspartner zu übernehmen. Es fehlte schlichtweg an klaren und eindeutigen Präzedenzfällen, auf die man sich berufen konnte.

    Aus diesem Dilemma ergaben sich dann die unterschiedlichen Interpretationen der an der Costa Smeralda beteiligten Architekten, die das Thema der sardischen oder mediterranen Architektur, das vom Aga Khan selbst als gemeinsame Leitlinie für die verschiedenen Baumaßnahmen vorgegeben worden war, jeweils auf unterschiedliche Weise weiterentwickelten.

    Woher kommt der Name Costa Smeralda?

    Verschiedene Legenden versuchen, die Entstehung des Namens Costa Smeralda zu erklären. Folgende ist meine Favoritin, auch wenn ich im Anschluss eine zweite präsentieren werde.

    Die einsame und wilde Schönheit der Gallura hat schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit einige italienischen Industrielle in ihren Bann gezogen. So kaufte zum Beispiel der Mailänder Giuseppe Mentasti, der damalige Besitzer des San Pellegrino-Wassers, 1954 einige Grundstücke und sogar die kleine Insel Mortorio.

    Später war derselbe Mentasti auch an der Gründung des Projekts Costa Smeralda unter der Leitung von Prinz Karim Aga Khan beteiligt. Und so soll es Mentasti gewesen sein, der mit Beratung durch den Architekten Luigi Vietti den Namen des zukünftigen Touristenziels ausdachte, da er eine Tochter namens Esmeralda hatte.

    Als die Diskussion aufkam, wie man die Küste nennen sollte, an der der Aga Khan und seine Partner ihre Investitionen tätigen wollten, schlug mein Vater Vietti vor, sie nach mir zu benennen: Costa Esmeralda. Vietti dachte eine Weile darüber nach. Dann sagte er zu meinem Vater, dass Esmeralda nicht richtig klingen würde, dass es etwas spanisch klingen würde. Am Ende beschloss er, den Anfangsbuchstabe ‘e’ zu entfernen, und so wurde daraus Costa Smeralda.

    Esmeralda Mentasti im Buch “La Principessa, la vera storia della nascita della Costa Smeralda” des sardischen Journalisten Guido Piga.

    La Maddalena

    Ein weiterer Ausblick im Frame auf Punta Rossa an der Südspitze der Insel Caprera, im verlassenen Militärkomplex "Batterie di Punta Rossa" aus dem 19. Jahrhundert.

    Nicht weit entfernt von der Costa Smeralda auf Sardinien findest Du den Maddalena-Archipel, ein Naturschutzgebiet mit den schönsten Stränden Sardiniens und vielen Lost Places zum Entdecken.

    Einen Blogeintrag über La Maddalena und die weiteren Inseln des Archipels findest du hier.

    Capo Testa

    Der Leuchturm von Capo Testa, berühmtes Wahrzeichen der Bocche di Bonifacio mitten im Naturschutzgebiet und beliebtes Reiseziel von Naturliebhabern . Santa Teresa di Gallura, Sardinien, Italien.
    Der Leuchturm von Capo Testa, berühmtes Wahrzeichen der Bocche di Bonifacio mitten im Naturschutzgebiet und beliebtes Reiseziel von Naturliebhabern . Santa Teresa di Gallura, Sardinien, Italien.

    Etwas weiter weg, aber immer noch nah genug, ist Capo Testa. Der Ort befindet sich 25 km von Palau entfernt und ist wegen seiner Schönheit ein sehr beliebtes Reiseziel von Touristen aus der ganzen Welt. Dort sind gigantische Felsformationen mit überraschenden Formen direkt am Meer. Wirklich beeindruckend!

    Einen Blogeintrag zu Capo Testa findest du hier: Es ist einer meiner Lieblingsorte, die ich immer besuche, wenn ich auf Sardinien bin!

  • Lost Places in Rieti 2022: das Werk Supertessile und Montecatini

    Das verlassene Werk Supertessile, später CISA Viscosa, SNIA Viscosa, dann Nuova Rayon und in den letzten Jahren BembergCell, ist eine ehemalige Textilfabrik für die Herstellung von Viskoseviskose in Rieti.

    Die Eröffnung im Jahr 1928 markierte den endgültigen Übergang der Stadt Rieti zu einer industriellen Wirtschaftsausrichtung und machte sie zu einem der größten Produktionszentren in Latium bis in die 1960er Jahre. Die Produktion wurde 1979 unterbrochen und nach einer teilweisen Reaktivierung im Jahr 1986 wurde das Werk 2006 endgültig geschlossen.

    Die Geschichte des Werks Supertessile in Rieti

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Stadt Rieti noch von einer vorwiegend landwirtschaftlichen Wirtschaft geprägt. Der Prozess der Industrialisierung hatte zwar bereits 1873 mit der Gründung der Zuckerfabrik von Rieti begonnen, der ersten Zuckerfabrik Italiens, aber diese hing mit der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte zusammen und die Produktion war saisonal bedingt, so dass die Zuckerfabrik zwangsläufig nur während der Zuckerrübenernte aktiv war.

    Warum Rieti?

    in den 1920ern Jahren expandierte die Società Generale Italiana della Viscosa (ehemals Cines-Seta artificiale) nach Mittelitalien und errichtete 1923-24 in Rom ein Werk zur Herstellung von Viskose. Die herrschende Klasse in Rieti – allen voran der Bürgermeister Alberto Mario Marcucci und der Fürst Ludovico Spada Potenziani – verhandelten damals mit dem Präsidenten des Viskoseunternehmens, Baron Alberto Fassini, darüber, das neue Werk in Rieti und nicht in Viterbo oder Sulmona errichten zu lassen.

    Während der Verhandlungen, die zwischen Oktober und November 1924 stattfanden, wurden dem Unternehmen Steuererleichterungen und andere Erleichterungen angeboten, und am 14. Januar 1925 wurde der endgültige Vertrag unterzeichnet. Die Gesellschaft, die das Werk Supertessile bauen würde, war geboren.

    Einige Tanks des verlassenen Werks Supertessile - ein Lost Place in Rieti
    Einige Tanks des verlassenen Werks Supertessile – ein Lost Place in Rieti

    Planung und Bau der Anlage

    Für den Bau der Anlage wurde eine Fläche von etwa 30 Hektar festgelegt, die sich an dem Viale Maraini gegenüber der Zuckerfabrik und fast einen Kilometer von der Porta Cintia, dem Tor zum historischen Zentrum, befand. Am Ende der Allee, rund um die Kirche Madonna del Cuore, wurde auf einer Fläche von 20 Hektar eine Arbeitersiedlung mit 7.500 Wohneinheiten errichtet, das die Geburt des Stadtteils Madonna del Cuore darstellte.

    Zusätzlich wurden zur Verpflegung und Unterhaltung der Arbeiter Sozial- und Freizeiteinrichtungen wie Kantinen, Bäder, ein Theater, zwei Kapellen, eine Bibliothek, ein Fußballplatz und ein Club für Arbeiter errichtet. In der Nähe der Fabrik wurden um einen als Grünfläche angelegten Kreisverkehr, die heutige Piazza XXIII Settembre gehobene Behausungen gebaut, in denen die Verwaltungsmitarbeiter untergebracht werden sollte.

    Der Haspelraum auf einer Fotografie aus 1932

    Am 3. Juni 1926 wurde die Eisenbahnverbindung zwischen der Fabrik und dem Güterbahnhof von Rieti eingeweiht. Nach Fertigstellung der Arbeiten wurde die Fabrik am 3. Oktober 1928 in Anwesenheit des Bischofs von Rieti, Massimo Rinaldi, eingeweiht, und wenige Tage später wurde die Produktion aufgenommen.

    Die Ansiedlung einer Fabrik dieser Größenordnung hatte Auswirkungen auf die gesamte damalige Gesellschaft von Rieti: Die Fabrik zog Arbeiter aus dem gesamten Landkreis an, bestätigte auch auf wirtschaftlicher Ebene die Rolle der Provinzhauptstadt, die der Stadt kürzlich zugewiesen wurde, und begünstigte – vielleicht zum ersten Mal – die Einwanderung von Menschen von außerhalb der Region.

    Karte des alten Industriegebiets von Rieti in der Viale Emilio Maraini (Supertessile / SNIA Viscosa, Zuccherificio, Montecatini) – veröffentlicht von Alessandro Antonelli

    Mit der Eröffnung der Fabrik zog nämlich eine beträchtliche Anzahl von Facharbeitern aus Venetien nach Rieti, vor allem Frauen aus den Provinzen Rovigo und Padua, wo das Viskose-Unternehmen bereits eine Fabrik besaß. Diese Familien hatten es schwer, sich zu integrieren, da die für die damaligen Verhältnisse ungehemmten Sitten der Frauen aus dem modernen Norden von der lokalen Bevölkerung, die noch immer eine bigotte und konservative Mentalität hatte, nicht gern gesehen wurden.

    Auch Familien aus den umliegenden Regionen Abruzzen, Apulien und der Emilia Romagna wanderten nach Rieti ein, um im Werk Supertessile zu arbeiten, darunter die des späteren Senatspräsidenten Franco Marini, der hier eine Ausbildung zum Gewerkschafter absolvierte. Bis 1938 stieg die Zahl der Beschäftigten auf 4.500.

    Die Präsenz des Werks Supertessile begünstigte die Entstehung einer darauf bezogenen Aktivität: 1937 errichtete das Unternehmen Montecatini in der Nähe von Supertessile eine Fabrik zur Herstellung von Schwefelsäure, die für die Viskoseherstellung benötigt wurde.[8].

    Das Werk Supertessile 1932

    Im Mai 1938 fusionierten die Werke in Padua, Rom, Rieti und Neapel der Società Generale Italiana della Viscosa zu einem einzigen Unternehmen, der Compagnia industriale società per azioni per la produzione di Viscosa, abgekürzt: CISA Viscosa.

    In den folgenden Jahren wurde die konkurrierende SNIA, die Societa di Navigazione Industria e Commercio, von Franco Marinotti geleitet, der engere Beziehungen zur CISA knüpfte, die sich faktisch der SNIA anschloss. Die Nachfolgegesellschaft nahm den Namen und später umbenannt in Società Navigazione Industriale Applicazione Viscosa (CISA Viscosa) an.

    In der Kriegszeit wurde der Betrieb eingestellt und im Juli 1946 wieder aufgenommen. 1963 beschäftigte das Werk 1.200 Mitarbeiter.

    Verwaltung Durch SNIA Viscosa (1968-1979)

    1968 übernahm SNIA die Anteile der CISA und damit auch das Werk in Rieti, das seinen Namen von CISA Supertessile in SNIA Viscosa änderte.

    Im Laufe der siebziger Jahre drohte aufgrund der Krise im Kunstfasersektor und der immer größer werdenden Verluste der SNIA wiederholt die Schließung des Werks und die Entlassung vieler Beschäftigten. 1972 wurde das Werk Montecatini, das kurz zuvor in Montedison umbenannt worden war geschlossen und stillgelegt.

    Im Februar 1978 schloss die SNIA eine Vereinbarung mit der Federazione Unitaria Lavoratori Chimici (FULC), der Gewerkschaft der Chemiearbeiter, die eine Neuausrichtung der Chemiefaserproduktion vorsah, mit einer Verringerung der Quantität aber einer Steigerung der Qualität. Im Zuge dessen hätten die Anlagen in Rieti umstrukturiert und modernisiert werden. Von den 1.300 Beschäftigten wurden 1.000 entlassen.

    Alle Aufnahmen habe ich mit der Mavic Air 2 von DJI durchgeführt.

    Trotz aller Sanierungsmaßnahmen verschärfte sich die Finanzkrise der SNIA jedoch weiter, und im Mai 1979 legte das Unternehmen der Regierung einen Umstrukturierungsplan vor, um die Zuweisung von staatlichen Hilfsmitteln zu erwirken. Der Zugang zu diesen Mitteln war jedoch an eine finanzielle Sanierungsmaßnahme geknüpft, und es war nicht möglich, ein Bankenkonsortium zu finden, das die Konten des Unternehmens freigeben würde.

    1979 wurde die Produktion von Kunstfasern in allen SNIA-Werken (Pavia, Villacidro, Rieti und Neapel) komplett eingestellt wurde, offiziell wegen Liquiditätsmangels. Während in den anderen Werken auch andere Produktionstätigkeiten ausgeführt wurden, bedeutete die Maßnahme die vollständige Schließung der Anlage in Rieti, die nur Kunstfaser produzierte.

    Das Hauptgebäude des verlassenen Werks Supertessile - ein Lost Place in Rieti
    Das Hauptgebäude des verlassenen Werks Supertessile – ein Lost Place in Rieti

    Nuova Rayon tritt aufs Spielbrett (1986-2002)

    Nach jahrelangen Verhandlungen und Diskussionen wurde das Werk in Viale Maraini 1986 reaktiviert und von Nuova Rayon Italia SpA geleitet, einem Unternehmen, das mehrheitlich der öffentlichen Finanzgesellschaft GEPI gehörte, die gegründet wurde, um private Unternehmen in Schwierigkeiten zu retten, umzustrukturieren und dann zu verkaufen.

    Die Produktion war auf Hochleistungsviskose ausgerichtet, die für spezielle Anwendungen bestimmt war- Für die Wiederaufnahme der Produktion wurde nur ein kleiner Teil der von vor der Krise dort beschäftigten Arbeitnehmer wieder eingestellt, und große Teile des Industriegebiets wurden aufgegeben, so dass die Produktion auf eine viel kleinere Fläche beschränkt wurde.

    Im Mai 1996 verkaufte GEPI seine Beteiligung an Nuova Rayon an die SNIA, die damit wieder alleinige Eigentümerin der Anlage war.

    Im Mai 2002 wurde allerdings die Produktion gestoppt und die 175 Mitarbeiter freigestellt. Nuova Rayon schloss das Jahr 2002 nämlich mit einem Umsatz von 16,7 Millionen Euro und einem Nettoverlust von 8,8 Millionen Euro ab.

    Das verlassene Werk Montecatini, ein Lost Place in Rieti
    Das verlassene Werk Montecatini, ein Lost Place in Rieti

    BembergCell (2003-2006)

    Am 16. Mai 2003 übergab die SNIA, die den Chemiefasersektor als nicht mehr strategisch betrachtet, die Nuova Rayon an das Unternehmen G.Z. Fin. Srl des Unternehmers Maurizio Cimatti für den symbolischen Betrag von 100 Euro. Außerdem zahlte die SNIA angesichts der Kosten für die Wiederinbetriebnahme der Anlagen 15 Millionen Euro in die Kassen von New Rayon ein.

    Die neue Gesellschaft leiteten mehrere Verfahren zur Wiederaufnahme der Produktion ein, indem sie vorübergehend auf den außerordentlichen Entlassungsfonds zurückgriffen, ohne zunächst neue Entlassungen vorzunehmen. Im Oktober 2003 führte G.Z. Fin. einen Zusammenschluss zwischen Nuova Rayon, Bemberg und Novaceta durch, aus dem BembergCell hervorging, mit dem Ziel, einen italienischen Exzellenzpol für Zellulose zu schaffen.

    Dennoch ließ der Erfolg auf sich warten und so wurden im September 2005 57 Mitarbeiter des Werks in Rieti entlassen. Im Laufe des Jahres 2006 geriet BembergCell in eine schwere finanzielle Krise, die so weit ging, dass das Gasunternehmen Enelgas aufgrund unbezahlter Gasrechnungen in Höhe von mehreren Millionen Euro die bevorstehende Unterbrechung der Versorgung des Werks in Rieti ankündigte, weshalb BembergCell gezwungen war, das Werk zu schließen. Noch im selben Jahr wurde die Insolvenz von BembergCell, die Schulden in Höhe von über 100 Millionen Euro angehäuft hatte, angekündigt.

    2007 teilte der Insolvenzverwalter mit, dass es trotz wiederholter Versuche nicht möglich war, Lösungen zu finden, die eine Wiederaufnahme der Produktion ermöglichen würden. Er verfügte die endgültige Einstellung der Tätigkeit und die Entlassung aller Beschäftigten.

    Einige Tanks des verlassenen Werks Supertessile - ein Lost Place in Rieti
    Einige Tanks des verlassenen Werks Supertessile – ein Lost Place in Rieti

    Das Werk Supertessile und Montecatini heute: Lost places in Rieti

    Das Werk Supertessile und Montecatini sind seit Jahren in das Stadtgebiet integriert und von Wohnvierteln umgeben und sind die berühmteste von den vielen Lost Places in Rieti.

    Zusammen mit der ehemaligen Zuckerfabrik teilen sie die Stadt in zwei Hälften: das alte Stadtzentrum und die Stadtteile Città Giardino und Molino della Salce-Regina Pacis im Süden und die neueren Viertel Madonna del Cuore und Micioccoli im Norden. Gerade wegen ihrer zentralen Lage ist ihre Umnutzung für andere Zwecke seit Jahren ein wichtiges Thema der lokalen Politik.

    Die Fläche der beiden Anlagen beträgt mehr als 30 Hektar und müsste saniert werden, da der Boden und die Gebäuden von gefährlichen Stoffen, insbesondere Schwefelkohlenstoff und Pyritasche kontaminiert sind.

    Das Innere des Werks Montecatini in Rieti. Foto von Alessandro Blasi.

    Immerhin wurde der gefährlichste Teil zwischen 2007 und 2011 der kontaminierten Reste entsorgt und das Schwefelkohlenstoffgas entfernt, das aufgrund seiner Gefährlichkeit bis 2011 die Anwesenheit bewaffneter Sicherheitskräfte am Eingang der Anlage erforderte.

    2015 wurde mit der Sanierung der oberirdischen Abfälle und der Entleerung der Tanks für chemische Substanzen begonnen; bis Ende 2016 wurden schon mehr als tausend Tonnen Sondermüll entsorgt.

    Im ehemaligen Montecatini-Gebiet, also im Süden des Industriegeländes, wurde noch nicht mit der Bonifizierung begonnen, da die Eigentümer der Grundstücke, auf denen die Anlage steht, sich gegen die Auflagen wehren. Am 11. April 2011 teilte das Umweltamt ARPA der Gemeinde Rieti mit, dass “eine Verschmutzung des Bodens durch Pyritasche festgestellt wurde”.

  • Der Drohnenabsturz: Von Höhen und Tiefen eines Drohnenflugs – ein sehr ehrlicher (und trauriger) Erfahrungsbericht | Teil 2

    Das Ende der Reise

    In diesem zweiten Teil meines Erfahrungsberichts erzähle ich Dir, wie es zum Drohnenabsturz kam, und zeige Dir noch die letzten Aufnahmen, die ich mit der DJI Spark gemacht habe. Du findest den ersten Teil des Berichts hier: Von Hhöhen und Tiefen eines Drohnenflugs – Teil 1.

    Alice im Winterland

    Fabelhafte Berglandschaft im Winter im Zillertal, Österreich. Dennoch eine traurige Erinnerung an den Drohnenabsturz.
    Fabelhafte Berglandschaft im Winter im Zillertal, Österreich. Verschneite Gipfel, schneebedeckte Bäume, Sonnenuntergang und bester Ausblick ever.

    Am ersten Dezemberwochenende entschied ich mich dazu, bei einem Ausflug ins Zillertal die DJI Spark-Drohne mitzunehmen. Die Akkus waren voll geladen und seit dem Unfall mit der gescheiterten Landung hatte ich die Drohne testen können. Zu meiner Freude und meinem Seelenfrieden funktionierte sie noch einwandfrei – auch der Finger war wieder ganz und ohne verbleibenden Schäden.

    Ich war fest entschlossen, die mit Schnee bedeckten Landschaften in den Alpen auf Video festzuhalten. So packte ich alles in meinen kleinen – dennoch viel zu schweren – Wanderrucksack und am Abend des 4. Dezember war ich wieder im Zillertal, bewaffnet mit guter Laune, viel Essen und warmen Klamotten.

    Am nächsten Tag war ich voller Energie und bereit für den Tag. Selbst das Wetter spielte mit: In der Nacht waren über 30 cm Schnee gefallen, der nun alle umliegende Berge bedeckte, und noch mehr kam während des Vormittags vom Himmel runter. Bei einer solch pittoresken Landschaft konnte selbst die eisig kalte Luft meine Stimmung nicht herunterziehen!

    Ich zog mich warm an – die Skihose mit pinker Fleece-Fütterung ist für mich im Winter unentbehrlich – und lief ins Freie, umgeben von schwebenden Schneekristallen. Schneeschuhe hatte ich – so naiv wie ich war – im Auto gelassen, schließlich hielt ich es für unwahrscheinlich, dass wirklich ein halber Meter Schnee am Boden liegen würde, so wie die Vorhersage es angekündigt hatte.

    Deswegen steckte ich knietief im Schnee und jeder Schritt erinnerte mich an die Entschlossenheit Sylvester Stallones in Rocky IV, als er in der sibirischen Wildnis für den Kampf gegen Ivan Drago trainierte. Ich wusste, es würde ein kurzer Spaziergang werden, denn trotz aller Vorsicht konnte ich nicht verhindern, dass Schnee in die Schuhe fiel, und ich wollte nicht stundenlang mit eisig-nassen Füßen herumlaufen. Trotzdem machte ich mich mit der Drohne im Schlepptau auf den Weg zum Wald und war gespannt darauf, die DJI Spark über die Wälder zu fliegen.

    Eine verschneite und kreisförmige Waldansicht aus der Vogelperspektive, Drohne DJI Mavic Air 2 in Österreich auf Standkopf, Sagtalerspitzen im Zillertal. Dort erfolgte der Drohnenabsturz.
    Eine verschneite und kreisförmige Waldansicht aus der Vogelperspektive. Diese Aufnahme stammt von der neuen DJI Mavic Air 2.

    Bei dem vielen Schnee hatte ich mit dem Quadrocopter tatsächlich Schwierigkeiten, vorwärts zu fliegen, da der Hinderniserkennungssensor den fallenden Schnee wohl als unüberwindbare Mauer wahrnahm. Glücklicherweise hatte ich die Eingebung, einfach rückwärts zu fliegen, denn Sensoren sind bei der Spark nur vorne und unten angebracht. So konnte ich in einer halbwegs flüssigen Bewegung über die Baumspitzen fliegen, ohne ständig vom Piepen des Warnsystems und dem damit verbundenen abrupten Halt der Drohne genervt zu sein.

    Der erste Flug in der Luft verlief recht reibungslos: Der Schneefall hatte ein wenig nachgelassen und die Sichtverhältnisse waren gut. Die Maschine kam mit Temperaturen knapp über Null gut zurecht- meine Finger weniger.

    Berauscht von dem tollen Ausblick und der Aussicht auf interessante Aufnahmen, ließ ich die Drohne nach fünf Minuten schon zurückkommen, um weiter nach oben zu steigen und dort einen neuen Flug zu starten.

    Welch bescheuerte Idee…

    Eine gute Viertelstunde später – und womöglich nur ein Dutzend Höhenmeter weiter oben – war ich bereit für den zweiten Flug. Den Akku hatte ich nicht ausgetauscht. Ich wollte nämlich jedes kostbare Quantum Energie ausnutzen und den zweiten Akku für einen späteren Flug einsetzen, da ich in der Hütte keinen Strom hatte, um sie wieder aufzuladen.

    Von der neuen Position startete ich die Maschine erneut, wendete die gleiche Strategie wie davor an, um den Hinderniserkennungssensor auszutricksen, und erfreute mich sehr über den Livestream der Aufnahmen der Drohne, der auf dem Display meines Smartphones angezeigt wurde.

    Die letzten Aufnahmen meiner DJI Spark. Danach kam es zum Drohnenabsturz.
    Die letzten Aufnahmen meiner DJI Spark vor dem Absturz der Drohne.

    Der Akku ging langsam zu Neige, auch wegen der Kälte, und schon bald wollte mich DJI zwingen, mittels Return to Home-Funktion den Flug abzubrechen. Ich hatte jedoch andere Pläne, auch weil der automatische Rückkehrflug nach vorne ständig vom fallenden Schnee behindert wurde. Ich drehte also die Drohne um 180° und flog so rückwärts zu mir zurück, um sie in Empfang zu nehmen und die letzten Bäumchen zu filmen. Ein Blick auf die Akkuanzeige verriet mir, dass ich noch genügend Kapazität für den Rückflug hatte.

    Aber ich hatte nicht berücksichtigt, dass die Berechnung der Anzeige sich plötzlich ändern könnte: Innerhalb weniger Sekunden hatte der Akku nicht mehr 14% Kapazität, sondern nur noch 6%. Augenblicklich leitete die KI der Drohne eine erzwungene Notlandung ein, obwohl die Maschine keine zehn Meter mehr entfernt war. Die Drohne schwankte, widersetzte sich in den ersten Sekunden, doch dann gab sie dem übergeordneten Befehl nach und stürzte hinter den letzten Bäumen Richtung Boden. Mit so einem Drohnenabsturz hatte ich nicht gerechnet.

    Die Such- und Rettungsaktion: DJI Spark in Gefahr!

    Ich konnte es nicht fassen: Zum ersten Mal war ich richtig enttäuscht – von mir selbst als Pilot, von meinem blinden Vertrauen in die Technik und auch von DJI. Die Maschine war so nah gewesen, hätte nur ein paar Sekunden mehr durchhalten sollen. Wie konnte das passieren? Ich hatte die Drohne die ganze Zeit fest im Blick und plötzlich war sie weg… Ich hatte den Drohnenabsturz gar nicht erwartet.

    Nichtsdestotrotz hatte ich keine Zeit, mich um meine Gedanken zu kümmern: Ich musste die Drohne suchen und bergen!

    Der Abhang war viel zu steil, um auf direktem Wege zum Quadrocopter zu gelangen. Ich watschelte im Schnee zum Wanderweg und folgte diesem einige Meter bergab, um bei einer passenden Stelle in den Wald einzudringen und die vermeintliche Absturzstelle zu finden. Doch die Bäume sahen von unten alle gleich aus und ich hatte keine Ahnung, wo der Drohnenabsturz erfolgt war.

    Ich konnte nur vage Unterschiede hinsichtlich der Größe der Krone der Bäume wahrnehmen und hatte auch nur eine vage Vorstellung, wo die Drohne abgestürzt war und wo ich mich jetzt befand – zwei Schätzungen, die ohnehin viel Unsicherheit beinhalteten und anhand derer ich die richtige Stelle finden musste. Ich machte mir Hoffnungen, dass ich den roten Körper und vielleicht noch blinkende Lichter sehen würde: Laut Steuerung war die Flugmaschine noch in Betrieb, obwohl kein Video mehr übertragen wurde. Ich konnte aber nichts finden. Ich hatte auch keinen Plan, wo sie hätte sein können.

    Dann hatte ich eine bahnbrechende Idee: Die Aufzeichnungen vom Drohnenabsturz auf dem Handy überprüfen. Doch die DJI-App erwies sich als untauglich für Rettungsaktionen, denn obwohl dort sowohl Startpunkt als auch Drohne auf einer Karte zu sehen waren, wurde meine eigene GPS-Position weder angezeigt, noch auf der Karte markiert. Ohne feststellen zu können, wo ich genau war, tappte ich wie ein Blinder im Dunkeln.

    Auch die letzte Videoübertragung des Drohnenabsturzes war nicht aufschlussreich: Von oben sah der Wald völlig anders aus als von unten, und selbst als ich dachte, die Lichtung gefunden zu haben, aus der die Drohne ihre letzten Signale sendete, konnte ich nichts sehen. Keine Rauchsäule gen Himmel, keine brennende Wrackteile, keine aus dem Schnee emporragenden Rotoren oder roten Plastikteile…

    Eine knappe halbe Stunde suchte ich die Gegend ab, in der Absicht, meine verhasste und doch geliebte Drohne zu finden. Mit jeder Minute, die verging, verschwand auch ein Fünkchen Hoffnung und als ich der Meinung war, alles versucht zu haben, kehrte ich dem Wald den Rücken zu und ging zur Hütte zurück.

    Ich bin mir sicher, die Drohne ist immer noch in dem Wald, und sobald der Schnee wieder auftauen wird, werde ich zurückkommen und sie finden.

    Oder doch nicht das Ende?

    DJI Mavic Air 2 Fly More Combo, eine der bestbewerteten Flugdrohnen im zivilen Bereich. Nach dem Drohnenabsturz der DJI Spark habe ich diese neue Drohne gekauft.
    Die neue Mavic Air 2 als Ersatz für die verschollene DJI Spark

    War das jetzt alles? Nein! Denn obwohl die DJI Spark immer noch verschollen ist, habe ich die Leidenschaft für Quadrocopter noch nicht aufgegeben. Ich habe inzwischen eine neue Drohne bestellt, eine DJI Mavic Air 2 auf Amazon*, und ich werde trotz des bösen Endes der Spark weiterhin Spaß am Fliegen haben und ein wenig über meine Unfähigkeit als Pilot sowie als Produzent von Videos mit hohem Einschlaffaktor lachen. Dieses Mal werde ich meine Fort- bzw. Rückschritte im Blog dokumentieren, um Dich daran teilhaben zu lassen.

    Mehr Drohnenvideos…

    … sowohl mit der DJI Spark als auch mit der neuen DJI Mavic Air 2 gibt es auf meinem Youtube-Channel, den ich ständig erweitere und mit Content füttere: Salvati Photography auf YouTube.

  • Von Höhen und Tiefen eines Drohnenflugs – ein sehr ehrlicher Erfahrungsbericht | Teil 1

    Eine Liebesgeschichte

    In diesem ersten Teil meines Erfahrungsberichts erzähle ich Dir, wie meine ersten Erfahrungen mit der DJI Spark waren, und zeige Dir einige Aufnahmen, die ich damit gemacht habe. Du findest den zweiten Teil des Berichts samt Drohnenabsturzvideo hier: Von Höhen und Tiefen eines Drohnenfluges – Teil 2.

    Der Anfang

    Ich bin schon immer ein großer Fan von Drohnen gewesen. Ich kann mich noch daran erinnern, wie groß meine Vorfreude auf die GoPro Karma bei deren Ankündigung gewesen war und ebenso groß war meine Enttäuschung, als der Release immer wieder verschoben wurde.

    Mit dem Aufstieg der chinesischen Firma DJI wurde mein Interesse noch größer und im Frühjahr 2019 entschied ich mich dazu, eine kleine DJI Spark zu kaufen. Ich gab bei Idealo meinen Wunschpreis für das All-inclusive-Paket – auch Fly More Combo genannt – ein, ein paar Wochen später wurde dieser erreicht und ich konnte mich damit rühmen, endlich eine Drohne zu besitzen.

    Wolltest auch Du schon immer eine Drohne fliegen, kannst Du eine DJI Mavic Mini auf Amazon kaufen*.

    Dieser Ehrentitel war dennoch lange Zeit unverdient, denn die Drohne packte ich tatsächlich erst im März 2020 aus: Fast ein Jahr lang verweilte sie in der Originalverpackung, sei es, weil ich mit meinem fragwürdigen Halbwissen der Rechtslage zu unsicher war, weil ich in jedem Urlaub viel mit dem Mountainbike unterwegs war oder weil ich nicht zusätzlichen “Ballast” mitnehmen wollte und als der Winter 2019 kam, war es mir schlichtweg zu kalt draussen. (Du merkst schon, im Ausreden Finden bin ich auch bewandert.)

    Vergiss nicht, dass jede Drohne eine feuerfeste Kennzeichnungsplakette* wie diese hier aufweisen muss!

    Der erste Drohnenflug

    Als es wieder wärmer war, die Murmeltiere aus ihrem Bau herauskamen und Corona langsam zur globalen Bedrohung erklärt wurde, packte ich die Drohne aus, machte mich mit den unzähligen Paragraphen und Gesetzen vertraut, schloss sowohl die vorgeschriebene Drohnen-Haftpflichtversicherung als auch die von DJI angebotene Care-Versicherung ab und freute mich, die Welt von oben entdecken zu können.

    Doch die ersten Flüge waren gar nicht so spannend, wie ich mir gewünscht hatte. Ich testete die Drohne auf dem Land und bis auf spärlich platzierte Bäume zum Erosionsschutz, unspektakuläres Getreide sowie Rapsfelder war auf den Aufnahmen wenig zu sehen. Ich war dennoch weiterhin motiviert: Schließlich wollte ich erst mit dem Gerät sicher umgehen können, bevor ich mich an halsbrecherische Manöver zwischen Hochhäusern oder im Wald auf der Suche nach Berglöwen und Luchsen heranwagen würde. So lautete zumindest mein Plan.

    DJI Spark-Drohne, DJI ist einer der besten Drohnenhersteller der Welt für Fotos und Videos. Copter für erfahrene und unerfahrene Piloten.
    Die DJI Spark-Drohne beim Unboxing und erstem Laden

    Auch das Auge isst mit

    Aber es kam anders. Und zwar nicht, weil Corona mir einen Strich durch die Rechnung machte und meine zwar im Geist vorhandenen, doch nicht umsetzungsreifen Welterkundungspläne torpedierte, sondern weil meine “Action”-Touren schlichtweg zu langweilig waren. Klar, die Aufnahmen im Wald aus der Vogelperspektive sind nicht übel, aber selbst ich kann die jeweilige Bäumeanhäufung auf dem Bildschirm nicht länger als 20 Sekunden anschauen.

    Die kurze Flugdauer der DJI Spark und der stolze Preis der Zusatzakkus schreckte mich weiterhin ab, die Drohne mit in den Urlaub zu nehmen. Ein Dutzend Minuten Flugzeit – den nominellen Wert von 16 Minuten habe ich bei meinen Flügen nie erreichen können – und die recht holprige Bewegungen der Drohne waren ein Dorn in meinem Auge, um die Drohne mit im Gepäck zu haben. Ich war noch zusätzlich ein wenig von der aus meiner Sicht mittelmäßigen Kamera, die für Fotos und Videos nicht der Hit ist, dem zwei- statt drei-Achsen-Gimbal und und und enttäuscht.

    (Außerdem kommen die jeweiligen rechtlichen Beschränkungen des besuchten Landes noch ins Spiel, die den Einsatz der Drohne zusätzlich unattraktiv machen, wenn zum Beispiel in Venedig die Drohne nur abseits der Stadt, sowie abseits der Kanäle und weiteren Wasserrouten fliegen darf, und dann auch nur in sehr geringer Höhe.)

    Das führte dazu, dass ich die Drohne nur dann mitnahm, wenn ich eh kein Abenteuer im Programm hatte; hier und da eine Wanderung in den Alpen, mal in Landshut über der Burg Trausnitz fliegend den Dom gefilmt, aber mehr auch nicht.

    Mehr “spannenden” Videos von meinen Flügen findest Du übrigens auf Youtube.

    Keine Klettertsteigpassagen in den Dolomiten, keine Aufnahmen von Venedig, keine Mountainbikefahrten und erst recht keine anderen beeindruckenden Sportarten. Da konnte ich die begrenzten technischen Spezifikationen der Drohne so sehr dafür verantwortlich machen, wie ich wollte; meine aufgenommenen Videos waren fade, weil ich schlicht und ergreifend nichts Spannendes gefilmt hatte – als ob ich mit einer besseren und kostspieligeren Drohne die monotonen Aufnahmen hätte aufpeppen können!

    Und dann kam die Wende…

    Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung – angeblich. Und so kam es dazu, dass ich versuchte, die Landschaftsaufnahmen aus der Luft professioneller zu gestalten, mich mit vielen mir noch unbekannten Adobe Premiere Pro-Features beschäftigte und Rat von Google einholte, wie ich besser werden konnte. Mein Kopf wurde regelrecht von Hinweisen, Tipps und Vorschlägen überflutet: Von gecrackten DJI-Apps, die eine ruckelfreie Steuerung der DJI Spark ermöglichen, bis hin zu Videobearbeitungsfunktionen, die durch die zeitliche Ausdehnung oder Kompression des Videos Spannung erzeugen sollten.

    Für jedes scheinbare Problem – selbst für welche, die mir noch nicht bewusst waren -, gab es eine Lösung, die für nur wenig Geld zu haben wäre. Das war mir allerdings zu viel: Ich wollte doch nur die Drohne fliegen, Spaß haben und ein passables Ergebnis präsentieren können. Ich beschränkte mich also auf Adobe Premiere Pro als Videobearbeitungsprogramm und beherzigte einige Tipps beim Fliegen, die ich in Youtube-Videos gefunden hatte. Hier eine kleine Auswahl, bezogen auf die Spark:

    Ich flog die Drohne über unberührte Wälder, jungfräuliche Gipfel und verschneite Landschaften, weiterhin mit mäßigen Ergebnissen. Eine Aufnahme in den Bergen forderte sogar ein Blutopfer, als ich meine Begleitung bat, die Drohne auf ihrer Hand landen zu lassen. Dabei vergaß ich, sie darauf hinzuweisen, dass es sehr wichtig sei, die Hand ausgestreckt und gerade zu halten, die Drohne würde automatisch darauf landen. Als die Maschine im Landeanflug war, griff sie zum Drohnenkörper, um ihn festzuhalten.

    Und es kam, wie es kommen sollte, zumindest nach Murphys Gesetz: Ein Finger rutschte zu weit nach oben und dessen Spitze wurde vom Rotor erwischt, Blut strömte aus der verletzten Hand, die Drohne fiel zu Boden und rutschte Richtung Abhang.

    Zuerst wurde der Finger versorgt: Trotz des tiefen Schnitts war glücklicherweise nichts abgetrennt worden. Wir versorgten die Wunde, so gut wir konnten und machten uns auf den Weg zurück. Die Drohen konnte ich noch einsammeln, sie war zwar ein gutes Stück heruntergerutscht, dennoch war sie noch relativ reicht erreichbar und anscheinend noch in einem guten Zustand. Zurück in der Hütte wurde der Finger gereinigt, desinfiziert und bandagiert, nachdem die Blutung seit einigen Minuten aufgehört hatte. Nach dieser Erfahrung benutzte ich die Drohne lange Zeit nicht mehr.

    Ich ließ mich dennoch nicht entmutigen: Schließlich ist ja alles eine Sache der Erfahrung. Mein Liebäugeln mit der Mavic Air 2 blieb auch nur ein kurzer Flirt aus großer Entfernung, da ich erst die Spark verkaufen wollte, um den nächsten Quadrocopter zu erwerben.